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Zertifizierung von Aufsichtsräten

ARadar -

Dieser Beitrag ist eine gekürzte Fassung des gleichnamigen Artikels von Beyer/Kickinger, der in der nächsten Ausgabe der BOARD erscheinen wird. 

1.    Ausgangslage zur Aus-, Fort- und Weiterbildung

Grundsätzlich gibt es keine konkreten gesellschaftsrechtlichen Vorgaben über Inhalte oder Umfänge zur Aus-, Fort- und Weiterbildung von Aufsichtsräten. Jedoch resultiert aus der Sorgfaltspflicht das Erfordernis fachlich à jour zu sein. Dieser Botschaft folgen auch einschlägige Urteile, in denen unter anderem die persönliche und eigenverantwortliche Ausübung des Mandats gefordert wird. Als Grundregel kann daher jeder Aufsichtsrat für sich mitnehmen, dass er die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten mindestens besitzen oder sich aneignen muss, um alle üblicherweise anfallenden Geschäftsvorgänge auch ohne fremde Hilfe verstehen und beurteilen zu können. Der DCGK greift diesen Gedanken darüber hinaus derart auf, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats die erforderlichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen eigenverantwortlich wahrnehmen sollen.

2.    Zertifizierung

Einleitend ist anzumerken, dass es keine gesetzliche Verpflichtung zur Zertifizierung gibt. Daraus resultiert, dass die Angebote mitunter im Umfang, Inhalt, Preis und wahrscheinlich auch in der Qualität stark variieren. Weiterhin ist aus Governance-Gesichtspunkten ein interessanter Aspekt, ob:

  • die ausbildende Institution auch selbst für die Zertifizierung verantwortlich ist

oder 

  • eine bewusste Trennung zwischen Ausbildung und Prüfung vorgenommen wird.

Im letzteren Fall gibt es diverse Akademien und Seminaranbieter, die sich der professionellen Ausbildung und Prüfungsvorbereitung verpflichtet haben, jedoch die Prüfung selbst von unabhängiger Stelle vorgenommen wird. 

Die Prüfungsinstanzen definieren in der Regel die Kriterien und Zulassungsbedingungen für die Zertifizierung, welche auch auf den Internetseiten zugänglich sind. Über diese Kriterien wird deutlich, welche Aufsichtsräte oder weiteren Zielgruppen von dem jeweiligen Format angesprochen werden. Während sich eine Zertifizierung zum Beispiel an erfahrene Aufsichtsräte größerer Unternehmen richtet, zielt eine andere unter Umständen auch auf die Befähigung angehender Aufsichtsräte ab. Insofern ist es unabhängig von den Qualifizierungsmodulen hilfreich, sich mit dem Zertifizierer zu beschäftigen und abzuprüfen, ob das Paket zu den eigenen Vorstellungen passt.

3.    Würdigung

Zu beachten ist unter anderem die nicht vorhandene Standardisierung und somit auch die erschwerte Vergleichbarkeit besuchter Lehrgänge und der dahinter stehenden Zertifikate. Auch sollte nicht die Erwartungshaltung entstehen, dass damit eine Exkulpation für die mangelnde Ausübung des Mandats erwirkt werden kann. Dennoch lässt sich positiv herausstellen, dass die Zertifizierten zum Zeitpunkt der Prüfung wohl über ein umfangreiches Wissen verfügen, das der Wahrnehmung des Mandats dienlich ist. Entscheidend ist dabei, dass es sich um eine Zeitpunktbeurteilung handelt, sich jedoch die Anforderungen zeitnah ändern können.

Insofern ist die Kombination einer ein-/erstmaligen Zertifizierung und einer turnusmäßigen Rezertifizierung ein starkes Signal für und von einem gut informierten und interessierten Aufsichtsrat.

4.    Resümee

Durch die gebotene Vielfalt an Zertifizierungsmöglichkeiten können (angehende) Aufsichtsräte Qualifizierungen entsprechend ihrer Bedürfnisse ermitteln und aufsuchen. Wichtig ist, dass Zertifizierungen jedweder Art, Umfang etc. nicht von der persönlichen Verantwortung entbinden. Sie sind vielmehr als Signalwirkung in Bezug auf fachliche Fitness und Aktualität ohne rechtliche Auswirkung zu verstehen. Ein positiver Effekt aus der Zertifizierung lässt sich schwerlich abschätzen, jedoch ist der damit einhergehende Wissenserwerb grundsätzlich hilfreich und über das Zertifikat dokumentierbar. Auch geht mit einer Zertifizierung kein Anspruch auf eine Mandatierung einher.