Kontakt

Wer nichts macht, macht keine Fehler – auch als Wirtschaftsprüfer

Blog -

Ich hoffe Sie hatten eine schöne Weihnachtszeit mit Ihren Lieben und einen tollen Start ins Jahr 2019?

Die meisten von Ihnen vermutlich auch mit mehr oder minder vielen „guten“ Vorsätzen (gibt es eigentlich auch jemand mit „schlechten“ Vorsätzen oder handelt es sich bei den „guten“ Vorsätzen um eine Tautologie?)? Einige sind sicherlich auch dabei, die sich vorgenommen haben die Fehler, welche Sie in der Vergangenheit gemacht haben, nicht nochmal zu wiederholen. Am einfachsten geht das sicherlich nach dem Prinzip „Wer nichts macht, macht keine Fehler“. Aber will man das wirklich? Oder gilt nicht doch manchmal das Motto „No Risk, No Fun!“?

Die Wirtschaftsprüfer in Großbritannien jedenfalls scheinen das Prinzip der Fehlervermeidung durch Tätigkeitsvermeidung für die Zukunft angehen zu wollen.

Auf Grund von verschiedenen größeren Bilanz- bzw. Unternehmensskandalen u. a. der Zusammenbruch von Carillion, hatte sich die britische Finanzaufsicht Financial Reporting Council („FRC“) die Prüfungsleistung der Big4 genauer angesehen. Dabei stellt sie fest, dass sich die Prüfungsqualität der großen Vier verschlechtert hat und insbesondere KPMG’s Prüfungen eine nicht hinnehmbare Verschlechterung ("an unacceptable deterioration") zeigten. Auch die Wettbwerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) hat Ermittlungen eingeleitet, um zu eruieren, ob der Prüfungsbereich noch wettbewerbsfähig genug ist, die hohen Qualitätsstandards zu halten.

Vermutlich um einer Regulierung zuvor zukommen, hat sich die KPMG dazu entschieden, daran zu arbeiten („working towards“) Nicht-Prüfungsleistungen bei FTSE 350 Prüfungsmandanten zu stoppen, um jeglichen Verdacht auf einen Interessenskonflikt zu vermeiden. Die anderen Drei (Deloitte, PwC und EY) kommentierten die Ermittlungen der Behörden in eine ähnliche Richtung. Auch eine eventuelle Aufteilung der Prüfungskonzerne in Prüfungs- und Beratungsfirmen nimmt wieder an Dynamik zu. 

Was wird die Zukunft in diesem Bereich nun bringen? Wird die – zumindest avisierte – konsequenten Trennung von Prüfung und Beratung bei Prüfungsmandanten auch auf Nicht-FTSE 350 Mandate und außerhalb von Großbritannien Auswirkungen haben? Wie wird sich dies dann auf die Prüfungshonorare auswirken, die rein der Logik nach ohne Quersubventionierung durch Nicht-Prüfungsleistungen steigen müssten? Sehen wir eventuell ähnliche Entwicklungen wie Anfang dieses Jahrestausends, wo u. a. KPMG und PwC ihre Beratungseinheiten verselbständigt haben? 

Es bleibt auf jeden Fall hoch interessant in der Financial Advisory Branche und wir als FAS freuen uns auf die zukünftigen Herausforderungen.

In diesem Sinne, freuen Sie sich mit uns gemeinsam auf ein spannendes Jahr 2019 und trauen Sie sich doch auch mal den ein oder anderen (kleinen) Fehler, getreu dem Motto „Try Fast, Fail Fast“!

Bis bald

Ihr 

Ingo Weber