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Von Inspiration und Transpiration

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Seit Anfang dieser Woche bin ich im Advisory Board des Venionaire Venture Capital Fonds, eine Aufgabe, über die ich mich sehr freue. Venionaire wird seinen Investmentfokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz legen. Bis zu 50 Prozent der Fondsmittel werden in deutsche Beteiligungen fließen. Initiiert wurde der Fonds von den Managing Partnern Berthold Baurek-Karlic und Martin Steininger aus Wien – zwei langjährige ausgewiesene Experten im Beteiligungsgeschäft. Meine Aufgabe im Advisory Board wird es sein, neben meiner Erfahrung aus zahlreichen Investments in verschiedensten Start Up-Unternehmen, auch mein Beratungs-Know-how bei der Weiterentwicklung von Unternehmen bis zur Börsenreife (und natürlich auch danach) einzubringen.

An dieser Stelle gilt es aber auch, sich ein paar Gedanken über die deutsche und amerikanische Start Up-Szene zu machen. In Amerika brummt der Start Up-Bereich und es werden inzwischen wieder Bewertungen im Milliardenbereich aufgerufen. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass es hier um ein sich selbst fütterndes System geht. Junge Gründer erzielen schnell sehr hohe Bewertungen und Exits. Dieses Geld stecken sie dann wieder in andere Unternehmensgründungen zu noch höheren Bewertungen und noch schnelleren Exits. Und dies alles bei häufig deutlich negativen Jahresergebnissen. Der Vergleich zur New Economy Bubble um die Jahrtausendwende mit eben solchen, vermeintlich abstrusen Bewertungen drängt sich auf. Allerdings haben die meisten dieser Unternehmen tatsächlich ein Geschäftsmodell und es wird nicht (vollkommen) wahllos investiert. Hier könnte der wesentliche Unterschied liegen.

In Deutschland sind insbesondere die Start Ups in Berlin aktiv, aber auch in anderen deutschen Städten wie München, Hamburg oder Stuttgart. Die Bewertungen sind hier jedoch noch deutlich weniger ambitioniert als in den USA. Die erste Finanzierungsrunde durch die drei FFF (Family, Friends & Fools) erreichen die meisten Gründungen und sammeln so das erste Geld zum Starten. Doch dann wird es schwierig. Von vielen Gründern wird hier ein Funding Gap bemängelt. Die A-Runde zwischen 500 – 5.000 T€ erreichen die meisten Unternehmen nicht. Aber liegt es wirklich daran, dass nicht genügend Kapital für diesen Bereich vorhanden ist? Sicherlich auch. Ein wichtiger Grund für den zukünftigen Erfolg des Venionaire Fonds. Ein weiterer Grund für das vermeintliche Gap aus meiner Sicht, der jedoch gerne verdrängt wird: Es werden durch die obigen drei viel zu viele Geschäftsideen finanziert, denen es an einem nachhaltigen Geschäftsmodell und einem ausreichend ambitionierten Gründerteam fehlt. Gerade bei letzterem beschleicht mich ab und an das Gefühl, dass das Projekt „Ich gründe ein Start Up in Berlin“, das bisherige „work and travel in Australien“ abgelöst hat. Man sucht sich Sponsoren (s. o. Family) für eine Sache, die sehr viel Spaß macht und zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt. Der finanzielle Erfolg steht nicht primär im Fokus. Danach kann man dann immer noch anfangen zu arbeiten (sic!). Es würde sicherlich dem ein oder anderen gut tun, sich an das Zitat von Thomas Edison zu erinnern: „Genius is one percent inspiration and ninety-nine percent perspiration.“

Die Überleitung auf den inzwischen nahezu obligatorischen Blick nach Griechenland an dieser Stelle fällt leicht. Auch die griechische Regierung ist voll Inspiration, verweigert aber den Schweiß, die Transpiration. Mit immer neuen, auch wirklich kreativen, wenn auch nicht umsetzungsfähigen Vorschlägen und Ausflüchten wird versucht, Geld von Kapitalgebern zu erhalten, anstatt sich an die Arbeit zu machen. Im Übrigen eine sehr lange Tradition, bereits vor dem Euro. So war Griechenland zuletzt auch Teil der Lateinischen Münzunion, die immerhin bis 1926 (faktisch bis 1914) bestand. Hier wurde Griechenland 1908 ausgeschlossen, da es den (nicht gedeckten) Papiergeldumlauf steigerte und so die Inflation anheizte. Allerdings erfolgte 1910 die erneute Aufnahme…

In diesem Sinne, lassen Sie sich inspirieren, vergessen Sie aber nicht, dass am Ende Arbeit zum Erfolg führt!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber