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Von Eisbergen und Kennzahlen

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„Eisberg direkt voraus!“ - Ob dieser aus dem 1997 veröffentlichten Film „Titanic“ stammende Ausruf heute noch so ausgesprochen werden würde, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Lage fraglicher denn je. Eine gewisse Analogie lässt sich jedoch nicht abstreiten, denn tatsächlich steuert die Menschheit derzeit auf eine scheinbar unvermeidliche Katastrophe zu.

Die Pole und Gletscher gehen merklich zurück, das globale Klima steigt, Todeszonen in den Weltmeeren breiten sich aus und die Anzahl und Frequenz von Naturkatastrophen erhöht sich. Die Liste der Auswirkungen ist lang. 

Wie auch im Film trägt einen wesentlichen Teil der Schuld hieran der Mensch. Auch wenn bestimmte hochrangige Persönlichkeiten unserer Gesellschaft auch weiterhin beharrlich das Thema meiden oder es verharmlosen – der Klimawandel und dessen Folgen sind existent und betreffen uns alle.

Im Sommer des letzten Jahres habe ich die Alpen von Oberstdorf nach Meran zu Fuß überquert und bin auf meinem Weg immer wieder ins Grübeln gekommen. Zu sehen wie Jahrtausende alte Gletscher allein in den letzten 50 Jahren massiv zurückgegangen sind, konfrontierte mich direkt und brutal mit dem Thema Nachhaltigkeit. Wie können wir sicherstellen, dass nachfolgende Generationen auch in den Genuss einer Erde kommen, die nicht aus gerodeten Tropenwäldern, fischarmen Meeren und verunreinigter Luft besteht? Das Thema Nachhaltigkeit ist darüber hinaus facettenreich und betrifft nicht nur die Umwelt. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern, Vermeidung von Kinderarbeit, Chancengleichheit und Beendigung von Hungersnöten sind nicht geringer zu gewichten.

Fakt ist, dass jeder Einzelne, jedes Unternehmen und jede Regierung der Welt etwas tun kann und muss!

„Die Europäische Union hat sich zu klima- und energiepolitischen Zielen verpflichtet unter der Maßgabe der Klimarahmenkonvention und verschiedener eigener Beschlüsse. Sie ist auf einem guten Weg, ihre kurzfristigen Ziele zu erreichen. Allerdings steigen die mittel- und langfristigen Zielwerte sehr viel steiler an, sodass verstärkte Anstrengungen unternommen werden müssen.“ – Zitat Umwelt Bundesamt

Um dies zu erreichen hat die EU unterschiedliche (Klima-)Ziele und Meilensteine festgelegt, welche es zu erfüllen gilt. Im Rahmen der Klimarahmenkonvention 2002 hat sich die Europäische Union im sog. Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet die Emissionen der sechs wichtigsten Treibhausgase im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 gegenüber dem Basisjahr (meist 1990) um 8 % zu reduzieren. Im Rahmen der zweiten Verpflichtungsperiode (2013 bis 2020) des Kyoto-Protokolls haben sich die EU und ihre Mitgliedstaaten zu einer Reduktion von sieben wichtigen Treibhausgasen um 20 % bekannt. Zusätzliche verpflichtende Ziele im Rahmen des Klima- und Energiepaketes sind die Reduktion von Treibausgas-Emissionen um mind. 20 %, die Steigerung der Nutzung von erneuerbaren Energien auf 20 % des gesamten Endenergieverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz um 20 %.

Im Oktober 2014 hat der Europäische Rat einen Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 beschlossen, um das Langfristziel einer Senkung der Treibhausgas-Emissionen der EU um 80 % bis 95 % bis 2050 in möglichst kostenwirksamer Weise zu erfüllen.

Doch warum schreibe ich das hier und was hat das mit Finanzen zu tun? Kurz gefasst: Sehr viel.

Diese Ziele können unter Anderem nur verwirklicht werden, wenn Unternehmen nachhaltig strategische Investitionen tätigen, die zu einer signifikanten Verringerung der Umweltbelastung führen. Doch anhand welcher Kriterien lassen sich derartige Investitionen erkennen und durchführen? Da das Thema Nachhaltigkeit auch Einhalt im Finanzwesen gehalten hat, wurde hierzu kürzlich ein 50-seitiger Bericht („Report of Climate-related Disclosures“) von der Expertengruppe für nachhaltige Finanzwirtschaft der Europäische Kommission veröffentlicht, welcher klimabezogene Angaben in Finanzberichten vorschlägt, definiert und kategorisiert. Auf Basis dieser Kennzahlen sollen Investitionsentscheidungen und Unternehmensinformationen mit Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen zukünftig transparenter und zielführender gestaltet werden. Unternehmen können so z.B. ihre Investmentstrategien optimieren, Kreditratings verbessern oder ihre Attraktivität für umweltbewusste Investoren und Kunden steigern. Nachhaltigkeit steht hierbei im Vordergrund und sollte auf der Agenda der Unternehmensführung nicht fehlen.

Informationen zu umweltrelevanten Aktivitäten sind derzeit nur für eine bestimmte Gruppe von Unternehmen verpflichtend. Allerdings wird auch Unternehmen außerhalb dieser Gruppe eine entsprechende Berichterstattung empfohlen. Derartige Angaben helfen Unternehmen zudem Ihren verantwortungsvollen Umgang und Ihr vorausschauendes Handeln in Bezug auf umwelttechnische Belange zu demonstrieren.

Sitzen wir denn nicht alle im selben Boot?

Ihr

Julian Göbel