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Über Splitter und Balken

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Ich beginne meinen heutigen Blog mal mit einem Zitat, und zwar aus der Bergpredigt: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3 EU).

Drei (einhalb) Ereignisse haben mich in den letzten Wochen zu diesem Zitat geführt.

Das Erste ist der anhaltend schwelende Konflikt zwischen den USA und Nordkorea (keine Sorge, ich werde mich hierzu nicht weiter auslassen). Zwar regt sich die ganze Welt über die fortwährenden Provokationen des asiatischen Diktators auf, aber warum nehmen wesentliche Politiker keine Stellung zu den 140-Zeichen-Beleidigungen des amerikanischen Präsidenten gegenüber dem Nordkoreaner? Am hohen geistigen Niveau der Aussagen dürfte es nicht gelegen haben.

Dann folgte ein Zitat eines ehemaligen Mitarbeiters über das vom Grundprinzip her sinnvolle Arbeitgeberbewertungsportal kununu. Hier echauffierte er/sie sich darüber, dass über andere Beratungen gelästert wird, aber gleichzeitig bei der Firma selbst Defizite bestehen und nicht vor der eigenen Tür gekehrt wird. Dabei wurde aber leider vergessen, dass der ehemalige Kollege gerade genauso über seinen ehemaligen Arbeitgeber in einem Onlineportal lästerte. So viel zum Thema „vor der eigenen Tür kehren“.

Den Abschluss in dem Dreierreigen dann letzten Sonntag zum Ergebnis der Bundestagswahl. Das scheinbare Hauptthema war das Abschneiden der AfD, wobei aus meiner Sicht viel herausfordernder das Thema der Regierungsbildung sowie das Risiko von Neuwahlen wäre. Mangelnde (politische) Bildung der Wähler der Rechtspopulisten war da nur einer der harmlosesten Aussagen unserer toleranzgeprägten Gesellschaft, die sich in diesem Punkt alles andere als tolerant zeigte. Dabei wäre es doch eigentlich ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie, sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche Sorgen und Nöte diese umtreiben, dass sie „rechts“ wählen. Beleidigungen von Andersdenkenden haben noch keinen weitergebracht. Kleine Ironie am Rande – es sei mir erlaubt – die Aussage, dass jetzt wieder Nationalsozialisten im Bundestag sitzen, entbehrt natürlich einer vollkommenen Ignoranz des Wortes „Sozialisten“, da die AfD bei weitem keine sozialistische Partei ist (sondern eine andere!). Aber gut, sei es drum. Und, um es abzuschießen, hat die SPD mit Andrea Nahles noch einen dazugegeben und der neuen Bundesregierung angedroht (!): „Ab morgen kriegen sie in die Fresse!". Da stellt sich mir doch die Frage, ob in die Fresse bekommen nicht schlimmer ist, als von einem Herrn Gauland von der AfD gejagt zu werden?

Was sind nun die Schlussfolgerungen daraus? Nun, daher das einleitende Zitat. Es hilft wirklich, im Leben erstmal kritisch selbst zu reflektieren und zu überlegen, ob das eigene Tun und die eigenen Aussagen den Wertvorstellungen und Maßstäben dem Handeln von anderen entsprechen. Noch besser, wenn das eigenen Handeln auch den eigenen Aussagen entspricht und man nicht den berühmten Wein trinkt und Wasser predigt. Dies sowohl im privaten als auch im beruflichen beherzigt, dann wird eine runde Sache draus.

In diesem Sinne, bevor Sie andere kritisieren, reflektieren Sie doch kurz selbst, ob sie die Ansprüche selbst erfüllen, die Sie an andere stellen.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber