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Über pubertierende Unternehmen und das Erwachsenwerden

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Keine Sorge, es folgt nun keine wissenschaftliche Abhandlung über die biologische Evolution des Jugendlichen. Nachdem die FAS AG nun allerdings 16 Jahre alt ist, befindet sie sich mitten in bzw. kurz nach der Phase, die sich bei Menschen „Pubertät“ nennt. Wir erinnern uns selbst mit Schrecken oder Freude zurück. Kindliche Verhaltensmuster weichen reifen, überlegten und vernünftigen Verhaltensweisen – die Zeit davor machte auf jeden Fall mehr Spaß.

So geht es auch wachsenden Unternehmen. Auf einmal passt die Personalstruktur nicht mehr, Abstimmungsprozesse, die bisher ad hoc erfolgten, dauern nun lange und sind aufwändig, die IT erfordert Investitionen etc. Der Gründer betrachtet diese Entwicklung fasziniert und erschreckt zugleich, hatte man sich doch ursprünglich genau gegen diese Konzernphänomene und für das eigene Unternehmen entschieden.

In jungen Unternehmen sind Hierarchien und in Stein gemeißelte Zuständigkeiten oft noch nicht wichtig. Meist arbeiten hier Leute miteinander, die voller Begeisterung und Tatendrang ein gemeinsames Ziel verfolgen und daher auch bereit sind, Aufgaben zu übernehmen, die eben gerade anfallen, um den Erfolg zu gewährleisten. Jedoch muss die Organisation der Arbeit gesteuert werden. Ab einer gewissen Größe ist eine komplett eigenverantwortliche, ungesteuerte Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Der Chef muss entscheiden wie die Ressourcen verteilt werden und wie die Dokumentation stattzufinden hat, sodass diese einheitlich funktioniert. Ein guter Chef hört sich alles an, öffnet sich für Argumente und entscheidet klar und unmissverständlich.

In der nächsten Stufe müssen Hierarchien aufgebaut sowie Regeln und Standards geschaffen werden. Inzwischen ist das Wort Hierarchie („Führung, Herrschaft“) fast schon negativ belegt. Dabei besagt es nur, dass es klare Verantwortlichkeiten braucht. Es darf allerdings nicht dazu führen, dass dies in festgefahrene Strukturen mündet und einzelne Erfordernisse keine Berücksichtigung finden. Die Führungsaufgabe besteht nun also darin, Entscheidungshoheiten entweder grundsätzlich oder fallbezogen festzulegen. Es geht also nicht darum, strenge Beschneidungen durchzuführen. Aber: Alle müssen sich an die getroffenen Absprachen halten und werden verwarnt, wenn sie es nicht tun. Das kann auch für ganz zeitgemäße, offene Standards gelten. Es gibt flexible Arbeitszeiten, aber ein wöchentliches Dokumentationsgebot? Dann muss die Nichtdokumentation Folgen haben. Es gibt eine Firmenkreditkarte, über die die Spesen abzurechen sind? Dann gibt es kein Geld zurück, wenn über die Privatkarte bezahlt wurde. All diese Standards werden gut begründet sein und sind also keine Schikane. Sie sind aber wertlos, wenn sich keiner daran halten muss.

Das Alter der Mitarbeiter hat übrigens wenig damit zu tun wie wichtig Standards genommen werden. Im Gegenteil: Gerade jüngere, neue Mitarbeiter fordern klare Verhältnisse und wirtschaftlich sinnvolle Standards ein.

In diesem Sinne, schaffen Sie ausreichend Führung, Prozesse und Strukturen, aber behalten Sie sich auch genügend Flexibilität und Individualität bei.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber