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Über Beziehungen am Arbeitsplatz

Blog -

Haben Sie gerade Ihr Gegenüber oder Ihren Sitznachbarn angesehen, als die E-Mail mit dem heutigen Blog kam? Gab es rote Flecken im Gesicht und/oder Schweißperlen auf der Stirn? Dann will Ihr Arbeitskollege Ihnen eventuell etwas mitteilen.

Aber ich bin ja nicht wahnsinnig, über so ein heißes Eisen einen Blog zu schreiben (gleichwohl die Anzahl der Leser natürlich deutlich höher wäre als sonst). Es geht diesmal ganz allgemein um die Beziehungen/das Verhältnis/den Umgang zu beziehungsweise mit Kollegen. Denn diese sind entscheidend dafür, ob wir uns in unserem Job wohlfühlen und wenn man sich mit seinen Kollegen versteht, dann erhöht dies auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir insgesamt mit dem Unternehmen zufrieden sind.

Leider wird das Verhältnis zu Kollegen häufig recht digital gesehen und die Teammitglieder in die Töpfchen „gut“ und „schlecht“ einsortiert. Dabei wird allerdings vergessen, dass es auch verschiedenste Ausprägungen dazwischen gibt. Zusätzlich wird häufig auch das Verhältnis zu Kollegen als unabänderlich angesehen - gut bleibt gut und schlecht bleibt schlecht. Und auch hier ist - leider im Falle von gut - eine Umkehrung ins Gegenteil möglich, jedoch auch, eine Verbesserung von einer bisher verkorksten Arbeitsbeziehung.

Bei genauer Betrachtung wird man feststellen, dass dies aus sogenannten Micro Moves besteht, also kleinen Aktionen und Verhaltensweisen, die die Richtung der Beziehung verändern. Dabei können diese Micro Move in verschiedenen Ausprägungen vorkommen und dementsprechend auch große oder kleine Auswirkungen haben. Positive Micro Moves wären zum Beispiel „Guten Morgen“ sagen, Tür aufhalten, Kollegen in die Mittagessensrunde mitnehmen oder zum Geburtstag gratulieren. Negative Mikroschritte sind zum Beispiel jemand im E-Mail-Verteiler (absichtlich) vergessen, E-Mails nicht beantworten, während eines Telefonats E-Mails zu beantworten oder bei Meetings ins Wort fallen.

Ein paar Handlungsempfehlungen können hierbei zur Verbesserung beitragen:

1) Die Sichtweise der Kollegen verstehen:

Manchmal stimmen die Auswirkungen einer Handlung nicht mit der dahinterstehenden Absicht überein. So kann es, um im Beispiel der nicht beantworteten E-Mail zu bleiben, vielleicht auch daran liegen, dass der Kollege schlichtweg aktuell überlastet ist und daher Ihre E-Mail nicht beantwortet. Bevor Sie daher eine Mikrohandlung vornehmen, sollten Sie sich selbst fragen, wie Sie selbst reagieren würden, wenn Sie der Empfänger wären.

2) Nicht immer ist ein Verhalten zielgetrieben:

Manchmal macht man einfach Sachen, auch ohne eine Absicht oder einem Ziel. So kann es durchaus auch ein Versehen sein, dass Sie im E-Mail-Verteiler nicht enthalten waren und keine böse Absicht, um sie zurückzusetzen. Hier hilft es auch mit den Kollegen zu sprechen, bevor man Rückschlüsse zieht.

3) Die eigene Rolle analysieren:

Es hilft häufig im Leben einen Schritt zurückzutreten, auch hier im Hinblick auf das eigene Verhalten und dessen Auswirkungen. Wie würde denn ein objektiver (!) Außenstehender die Arbeitsbeziehung mit ihren Pro’s und Con’s einschätzen? Wie würde er Ihre Rolle sehen? Und welchen Rat würde er Ihnen geben?

4) Protokoll führen hilft:

Forscher empfehlen, über Ihr Verhalten Protokoll zu führen (hilft im Übrigen auch bei Diätansätzen oder ähnlichem). Wenn Sie Arbeitsbeziehungen verbessern wollen, dann investieren Sie doch die Zeit, um die Micro Moves von Ihnen und Ihrer Kollegen zu protokollieren und damit zu verbessern.

5) Gutes und schlechtes Verhalten:

Die schlechte Nachricht noch zum Schluss: Gute Microhandlungen haben wesentlich geringere Auswirkungen als schlechte. So braucht es laut empirischen Studien 6 (!) potenzielle positive Aktionen, um eine negative Aktion zu kompensieren.

In diesem Sinne, es kommt eben auch auf die Kleinigkeiten an und mit positiven Micro Moves lassen sie auch vermeintlich verkorkste Beziehungen am Arbeitsplatz, aber auch anderswo, durchaus kitten.

Ihr

Ingo Weber