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Trend Hyperautomation? – First things first!

#GoDigital -

Das Marktforschungsinstitut Gartner hat unter dem Begriff #Hyperautomation den strategischen Tech Top-Trend für 2020 vorhergesagt. Hyperautomation beschreibt die Automatisierung von Prozessen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, welche das Potential hat, das Spektrum der bisher automatisierungsfähigen Prozesse erheblich zu erweitern. Bisher können insbesondere hoch repetitive und regelbasierte Prozesse mit Hilfe von RPA – zunehmend einfach und zuverlässig – automatisiert werden. Eine Entwicklung, die auch für die Automatisierung von Prozessen im Finanzbereich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Um den Trend Hyperautomation besser einschätzen zu können, ist ein Blick auf die Anbieterlandschaft und die aktuellen Entwicklungen im Bereich RPA notwendig: UiPath und Automation Anywhere als Marktführer und „Stars“ (gemäß der Kategorisierung durch Gartner), blueprism als Anbieter, der zuletzt den Anschluss ein wenig verloren hat, SAP, als Anbieter, welcher relativ spät eine Lösung zur Prozessautomatisierung präsentiert hat und Microsoft, als Anbieter mit Fokus auf die Automatisierung des eigenen Ökosystems. 

UiPath: UiPath liefert eine zuverlässige Software, welche die regelbasierte Automatisierung mit einem vergleichsweise attraktivem Kosten-Nutzen-Verhältnis ermöglicht. Vor kurzem hat UiPath außerdem angekündigt, die eigene RPA-Plattform zunehmend mit Funktionen zur intelligenten Automatisierung zu ergänzen. Prozesse, die nicht nur einem einzigen klaren Regelmuster unterliegen, sondern Interpretationsspielraum für den Entscheider lassen, sind das auserkorene Ziel und die durchaus logische Weiterentwicklung des RPA-Produktportfolios.  

Automation Anywhere: Als einer der RPA-Softwareentwickler der ersten Stunde ist Automation Anywhere stark im Markt vertreten – insbesondere in den USA. Der Anbieter hat sein ursprüngliches Momentum gegenüber der starken Konkurrenz von UiPath jedoch ein wenig eingebüßt. Automation Anywhere gilt als weniger leicht zu implementieren und weniger nutzerfreundlich. „Intelligente Automatisierung“ findet sich schon seit längerem im Produktkatalog des Herstellers. Der Bot Store beinhaltet beispielsweise eine Anwendung, die mit Hilfe von Optical Character Recognition Rechnungsscans ausliest und per CSV zum Übertrag im jeweiligen ERP bereitstellt. 

blueprism: Neben UiPath und Automation Anywhere zählt blueprism zu dem von Gartner auserkorenen RPA-Führungstrio. Auch blueprism liefert in der Regel einen zuverlässigen Dienst, verlor aber zuletzt gegenüber UiPath und Automation Anywhere seine ursprünglich starke Position. Mögliche Gründe hierfür: Im Vergleich zu den anderen Marktführern eine schlechtere Erreichbarkeit des Kundenservices und der relativ späte Beginn, die RPA-Lösung in eine Automatisierungsplattform mit Zusatzfunktionen nach Beispiel der anderen Anbieter aufzubauen. Um den verlorenen Boden gut zu machen, investiert nun auch blueprism vermehrt in Lösungen für intelligente Automatisierung und Cloudservices. Der Erfolg ist offen. 

Für UiPath, Automation Anywhere und blueprism stellt die Implementierung einer RPA-Lösung schnell eine fünfstellige Investition dar. Eine sorgfältige Prozessanalyse und -selektion ist deshalb unabdingbar und stellt ein erfolgreiches RPA-Projekt sicher.

SAP Intelligent Robotic Process Automation: Nachdem SAP den Trend der (einfachen) regelbasierten Prozessautomatisierung offensichtlich unterschätzt und die Automatisierung des hauseigenen ERP-Systems anderen RPA-Anbietern überlassen hat, soll mit dem nun verfügbaren „Eigenprodukt“ wieder Boden gut gemacht werden. Anstelle „einfacher“ Automatisierung steigt SAP direkt in die Implementierung einer intelligenten Lösung ein. SAP dürfte es hierbei vor allem darum gehen, die eigenen Produkte mit einer eigenen „integrierten“ Automatisierungssoftware zu versorgen und Fremdanbieter im SAP-Ökosystem überflüssig zu machen. Die Lösung kann mit Hilfe von SAP Leonardo dahingehend erweitert werden, dass Prozesse auch bei unstrukturiertem Dateninput automatisierungsfähig sind. Bei erfolgreicher Umsetzung ein wirklicher Mehrwert – die regelbasierte Automatisierung erfordert oft ein Redesign der Prozesse, um gerade den Dateninput so stabil und zuverlässig wie möglich zu gestalten (zum Beispiel durch die Einführung einfach auslesbarer Formulare und Datentemplates). Abgerechnet wird der SAP RPA-Service nach Transaktionspaketen.

Microsoft Power Automate: Die aktuellste Ergänzung des Microsoft Power Ökosystems ermöglicht überwiegend regelbasierte Automatisierung, insbesondere ausgehend von den allseits bekannten Microsoft Anwendungen. Power Automate ist die logische Ergänzung der bereits bestehenden low/no-code Tools wie Power Apps. Power Automate verfügt von Beginn an über einen großen Katalog an regelbasierten Arbeitsflows, die so vergleichsweise einfach und leicht implementiert werden können. Der Katalog reicht vom automatischen Extrahieren von E-Mail Nachrichten, beispielsweise für Stammdatenanlagen, bis hin zu Genehmigungsanforderungen in Microsoft Dynamics. Das Preismodell ist einfach und basiert auf der für Microsoft üblichen nutzerbasierten Abrechnung. Im Vergleich zu den anderen und am Markt bereits etablierten Lösungen, zielt Power Automate nicht auf die Automatisierung von ERP-Systemen (ausgenommen Dynamics), sondern auf die günstige Automatisierung von kurzen Prozessstrecken im Microsoft-Ökosystem. Der Einsatz „unabhängiger“ Software, wie zum Beispiel UiPath ist hierbei bislang nur bei großen Volumina rentabel. Microsoft Power Automate kann hier gegebenenfalls für ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis sorgen. 

Sämtliche der erwähnten Anbieter arbeiten aktuell daran, Prozesse „intelligent“ zu automatisieren. Dazu werden die Plattformen der Anbieter mit Tools ergänzt, welche es ermöglichen, unstrukturierte Daten zu verwerten oder innerhalb der Prozessschritte aus Erfahrungswerten Entscheidungen abzuleiten (und im ersten Schritt Vorschläge an einen Entscheider zur Freigabe weiterzuleiten). Die intensive Entwicklung und Bereitstellung dieser Funktionen ist nicht überraschend, ermöglicht eine bessere Skalierbarkeit von RPA und macht zumindest in der Theorie weniger Prozess-Redesign notwendig. Damit der Trend Hyperautomation aber zur Praxis wird, ist oftmals zunächst noch Grundlagenarbeit zu leisten und grundsätzliche Entscheidungen zu treffen: Konzeption und Festlegung einer digitalen Strategie (auch für den Finanzbereich), Analyse und Optimierung der Prozess- und Systemlandschaft über den Finanzbereich hinaus, Herstellung der Automatisierbarkeit von Prozessen und vor allem die Berücksichtigung dessen, welche Technologien und Systeme sich mittel- und langfristig am besten im individuellen Kontext des Unternehmens eignen, um die Transformation erfolgreich und wertsteigernd zu gestalten. 

Bis bald, dann im neuen Jahr 2020 

Patrick Weber

#digitalfuture #finance #fasag