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Stresstest unter IFRS 9

Financial Services -

Im Juni dieses Jahres hat die EBA die geplante Methodik für den für 2018 geplanten Stresstest veröffentlicht. Dieser wird erstmalig auf IFRS 9 Zahlen aufsetzen und soll – gemessen an den Bilanzsummen – 70 % des Bankensektors der Eurozone sowie jedes Nicht-Euro-Mitgliedsstaates und Norwegens abdecken. Betroffen sind europaweit somit nach aktuellem Stand 49 Kreditinstitute. In Deutschland sind mit der BayernLB, der Commerzbank AG, der Deutschen Bank AG, der DZ BANK, der LBBW, der HELABA, der NordLB, der NRW.BANK und Volkswagen Financial Services neun Kreditinstitute vorgesehen. Hinzu kommen die in Deutschland aktiven Tochtergesellschaften von europäischen Banken, wie z. B. Santander, der HSBC oder der Unicredit. Aber auch für die nicht direkt vom Stresstest 2018 betroffenen Institute könnten die Vorgaben eine indirekte Relevanz haben. Die EBA ermuntert die jeweiligen Aufsichtsbehörden explizit, die Methodik auch für andere Stresstests zu verwenden bzw. im Rahmen des SREPs auch bei nicht am offiziellen EBA Stresstest beteiligten Instituten analog anzuwenden.

Für das weitere Vorgehen ist geplant, dass bis Ende dieses Jahres eine informelle Diskussion über die veröffentlichte Methodik zwischen betroffenen Instituten und der Aufsicht erfolgt. Anfang 2018 soll dann die finale Version der Methodik durch die EBA bzw. die Vorgaben für die genauen Parameter der Modelle durch die EZB erfolgen. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse aus dem Stresstest ist dann für Mitte 2018 vorgesehen. Da zwischen Abgabe der Meldebögen durch die Banken und der Veröffentlichung noch die Prüfung und Beurteilung durch die Aufsicht sowie ggf. Diskussionen mit den Instituten notwendig sind, ist damit zu rechnen, dass die Abgabe durch die Institute Ende Frühjahr – spätestens im Frühsommer – zu erfolgen hat. Somit werden die ersten Monate des Jahres 2018 mit:

  • der Erstellung des Jahresabschlusses 2017 nach IAS 39,
  • der Erstellung der Eröffnungsbilanz nach IFRS 9,
  • dem Stresstest auf Basis der IFRS 9 Eröffnungsbilanz und
  • dem ersten Quartalsreporting nach IFRS 9 bzw. der ersten IFRS 9 FINREP Meldung

gut gefüllt sein. Entsprechend ist rechtzeitig mit der Planung und soweit möglich Vorbereitung zu beginnen.

Die EBA hat für den Stresstest insgesamt 28 Excel Templates mit teils über 9.000 Zeilen zur Erhebung und Berechnung bereitgestellt. Hinzu kommen 10 Templates für die Veröffentlichung der Stresstestergebnisse je Institut.

Im Rahmen des Stresstests werden zwei Szenarien über einen 3-Jahres-Horizont simuliert. Ein Baseline-Szenario sowie ein Adverses-Szenario. Nach den simulierten drei Jahren wird das Baseline-Szenario als konstant angenommen bzw. das Adverse-Szeanrio wird auf das Baseline-Szenario zurückgeführt. Die genauen Parameter der beiden Szenarien werden von der EZB Anfang 2018 veröffentlicht. Über den gesamten Zeitraum des Stresstests wird von einer konstanten Bilanzstruktur ausgegangen, so dass evtl. während der Laufzeit auslaufendes Geschäft durch Neugeschäft mit der gleichen Restlaufzeit, wie zum Beginn des Stresstest und einem Kreditrisiko analog zum Status beim Auslaufen heranzuziehen ist. Ob das Neugeschäft dann entsprechend wieder der Impairment Stufe 1 zugeordnet werden soll oder auch eine eventuelle Impairment Stufe 2 beibehalten werden soll, führt die EBA nicht aus. Der Stresstest ist auf Basis der Bilanzierungsrichtlinien zu erstellen, die am 01.01.2018 für das jeweilige Institut gelten. Aufsatzpunkte werden somit für die meisten Institute die IFRS 9 Werte zum 31.12.2017 bzw. 01.01.2018 sein. Für die teils anzugebenden Werte der Vorperioden ist jedoch keine Anpassung auf IFRS 9 notwendig. Hier reicht eine Darstellung der IAS 39 Ist-Werte. Für Institute, die nicht nach IFRS berichten, gibt es keine eigenen Vorgaben und besonders hinsichtlich der auf das Kreditrisiko abstellenden Erhebungen stellt sich die Frage, wie diese z. B. durch ein HGB Institut befüllt werden sollen, da die Impairment Stufen des IFRS 9 und die entsprechenden (life-time) Expected Loss Parameter in den Bögen eine erhebliche Rolle spielen.

Grundsätzlich werden im Rahmen des Stresstest die folgenden Risiken betrachtet. Für alle Dimensionen werden die Auswirkungen auf das CET 1 Kapital, die Tier 1 Kapitalquote sowie das Gesamtkapital betrachtet. Zwar sind die Bilanzierungsstandards über die Perioden konstant zu halten, aber die Kapitalauswirkungen sind jeweils sowohl in einem fully-loaded Szenario als auch im Rahmen des Phase in über die Perioden darzustellen.

  • Kreditrisiko: Hier liegt der Fokus auf der Entwicklung der Risikovorsorge und der Expected Loss Stufen unter IFRS 9. Hierfür gilt, dass ein in Stufe 3 migrierter Bestand diese Stufe in den Folgeperioden für den Stresstest nicht mehr verlassen kann. Für die Projektion der Szenarien ist das von der EBA bevorzugte Vorgehen, dass die Parameter für die Ist-Impairment Berechnung zum 01.01.2018 extrahiert und mittels Modellen und der Szenarioannahmen weiterentwickelt werden. Dabei wird von Anfang an ein vollständiger Wissensstand über die zukünftige Entwicklung angenommen, so dass sich nach der Periode 2018 zusätzliche Effekte nur noch durch Stufenmigrationen, aber nicht mehr durch weitere Veränderungen in der Umgebung begründen. Bei der Extraktion der Parameter stellt sich ggf. das Problem, dass bereits eingearbeitete makroökonomische Faktoren wieder eliminiert werden müssen, um dann die vorgegebenen Szenarien einzuarbeiten. Sollte ein Institut nicht in der Lage sein, die Parameter selbst zu entwickeln, sind von der EZB vorgegebene Benchmarkparameter zu verwenden. Diese soll die Aufsicht auch zur Plausibilisierung der selbst entwickelten Parameter heranziehen.Die entsprechenden Berechnungen von Auswirkungen auf Ergebnis und Eigenkapital sind nur für zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertete Vermögenswerte zu erstellen. Auswirkungen auf FVTPL oder FVOCI Assets sind explizit nicht zu berechnen. Im Rahmen der Marktrisikobetrachtung werden jedoch unter anderem auch Credit-Spreads gestresst und somit erfolgt zumindest grundsätzlich eine Berücksichtigung dieser Effekte. Ob dies zu einer Gleichwertigkeit führt, wird stark von den Parametern bzw. Szenarien abhängen.
     
  • Marktrisiko inkl. CVA und CCR: Im Rahmen der Auswirkungen von Marktrisiken ist ein Full Revaluation Ansatz hinsichtlich der gestressten Marktrisikoparameter vorzunehmen. Effekte aus Fremdwährungsbewertung an das Bankbuch werden ausgeklammert. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass unter den IFRS 13 Bewertungsleveln 2 und 3 berechnete Bewertungsreserven ebenfalls zu stressen sind. Auch im Rahmen von Hedge Accounting partiell zum Marktwert bewertete Positionen sind im Rahmen des Stresstests für das Marktrisiko neu zu bewerten. Sollten hier Vorgaben hinsichtlich Kreditrisikoparameter gemacht werden, wäre die Frage, ob und wie die möglichen Auswirkungen auf die Effektivität bzw. die Qualifikation für Hedge Accounting zu simulieren wären.Im Rahmen des Counterparty Kredit-Risikos ist vorgesehen, dass in einem ersten Schritt zuerst die zehn größten Counterparties ermittelt werden. Im Anschluss wird für die zwei Counterparties mit dem höchsten Ausfallrisiko ein eben solcher Ausfall angenommen. Die größten Counterparties werden bestimmt, indem das aktuelle, gestresste Exposure nach möglichem Netting betrachtet wird. Dabei sind sowohl besicherte als auch unbesicherte Exposures zu berücksichtigen. Für die Ermittlung der Ausfälle sind dann jedoch bei den besicherten Exposures auch die Sicherheitenwerte zu stressen.
     
  • Durchführungs- und sonstige operationelle Risiken: Im Rahmen des operationellen Risikos sind die Institute im Wesentlichen angehalten, ihre eigenen Modelle anzuwenden. Als Restriktionen wurde definiert, dass die Verluste aus dem Durchführungsrisiko und sonstige operationelle Risiken jeweils nicht unter den Durchschnittswert der Jahre 2013 bis 2017 fallen dürfen. Des Weiteren dürfen die gesamten Kapitalanforderungen für das operationelle Risiko nicht unter den tatsächlichen Startwert zu Beginn des Stresstests fallen.
     
  • Net Interest Income: Das Nettozinsergebnis ist über alle Positionen unabhängig von der bilanziellen Kategorisierung zu ermitteln und zu stressen. Dies gilt explizit auch für die zum Marktwert bewerteten Positionen und das Hedge Accounting. Falls der Ausweis der Zinserträge aus diesen Positionen jedoch üblicherweise in einer anderen Ergebnisposition erfolgt, so ist dieser aus dem Net Interest Income zu eliminieren und im Ergebnis aus Non Trading Intent Positionen zu zeigen. Für Zinserträge, die mittels der Effektivzinsmethode berechnet werden, ist entsprechend der Effektivzins im Stressfall zu projizieren.
     
  • Sonstige Erträge, Aufwendungen und Kapital: Ähnlich wie beim operationellen Risiko setzt die BA für die sonstigen Erträge und Kosten im Wesentlichen auf die eigenen Modelle der Banken und begrenzt diese durch gewisse Mindestgrenzen. So wird vorgegeben, dass die sonstigen Erträge (inklusive Provisionserträge, Dividendenertrag etc.) nicht über die tatsächlichen Erträge des Jahres 2017 steigen, die Aufwendungen hingegen nicht unter den Stand von 2017 fallen können. Ein einheitlicher Steuersatz von 30 % wird vorgegeben. Für die Ausschüttungen wird entweder auf eine kommunizierte Ausschüttungspolitik oder falls diese nicht vorliegt, auf den höheren Wert aus 0 % des Ergebnisses und der historischen Ausschüttungsquote der letzten fünf Jahre abgestellt. Abgangserfolge sind nicht zu berücksichtigen.

Die FAS AG hat in der Vergangenheit ihre Kunden sowohl bei der IFRS 9 Einführung als auch bei der Datensammlung und Berechnungen für Stresstests unterstützt. Darüber hinaus verfolgt die FAS AG aktiv die Entwicklung der fachlichen Vorgaben und beteiligt sich am Diskurs mit der Praxis. Gerne stehen wir Ihnen auch für Ihr Projekt zur Verfügung!