Kontakt

Steuerungsexzellenz: Der Aufsichtsrat und die Wertsteigerung des Unternehmens

ARadar -

Viele Eigentümer sehen das Überwachungsgremium in der Pflicht, den Unternehmenswert aktiv zu steigern. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Investoren von Private Equity-Gesellschaften eine hohe Rendite erhoffen, die unter anderem durch eine deutliche Erhöhung des Unternehmenswertes in kurzer Zeit erzielt werden soll. Der Aufsichtsrat wird in dieser Situation meist als Sparringspartner angesehen und stellt eine ausschlaggebende Komponente für die Zielerreichung dar. 

Über welche Möglichkeiten verfügt der Aufsichtsrat?

Nach Ziff. 3.2 DCGK sind zwei Aspekte in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Zum einen stimmt der Aufsichtsrat die strategische Ausrichtung des Unternehmens mit der Geschäftsleitung ab und zum anderen hat das Gremium diese in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.

Die Einbindung des Boards in die Strategieerstellung ist sowohl in der Literatur wie auch in der gängigen Praxis umstritten. So wird teilweise die Ansicht vertreten, dass dem Aufsichtsrat eine rein überwachende Rolle zukommt und eine aktive Teilnahme am Strategieprozess nicht gewünscht ist. Andere Meinungen sehen diese jedoch explizit vor. Bei der Umsetzung der Strategie steht aber fest, dass diese durch die Geschäftsleitung zu implementieren ist. Trotzdem sehen die Eigentümer oftmals das Board in der Pflicht, einen aktiven Beitrag zu leisten.

Typische Problematiken

Obwohl die Mitglieder des Boards über viel Potenzial verfügen, kann eine direkte Einmischung des Aufsichtsrats in das Unternehmensgeschehen nachteilig sein. 

Zum einen ist dies der Fall, wenn sich einzelne Gremienmitglieder innerhalb der Aufsichtsratssitzungen mit operativen Details auseinandersetzen möchten. Problematisch ist diese Vorgehensweise, da für die einzelnen Punkte der Tagesordnung nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung steht und die Details nicht abschließend erörtert werden können. 

Zum anderen kann ein aktives Engagement einzelner Gremienmitglieder außerhalb der Sitzungen zu Störungen im laufenden Betrieb führen. Dies folgt daraus, dass Entscheidungen, die normalerweise auf niedrigen Ebenen getroffen werden, nun durch die Geschäftsleitung entschieden werden müssen oder den Aufsichtsräten der Einblick in das Tagesgeschäft fehlt und ihre Ansichten eine destabilisierende Wirkung haben können.

Um die genannten Problematiken zu vermeiden, bietet sich eine indirekte Einflussnahme des Aufsichtsrats an.

Wie geschieht die indirekte Einflussnahme?

Eine indirekte Einflussnahme des Aufsichtsrats in das Unternehmensgeschehen ist möglich, indem das Gremium Rahmenbedingungen schafft, die eine unkompliziertere Entwicklung des Unternehmens in die vorgesehene Richtung ermöglichen. Diese Form der Unternehmenssteuerung wird auch als „Steuerungsexzellenz“ bezeichnet.

Grundlegend für eine solche Steuerungsexzellenz sind sowohl „harte“ wie auch „weiche“ Instrumente, welche in ihrer Gesamtheit das sogenannte Steuerungssystem bilden. 

Die „harten“ Instrumente umfassen unter anderem Kennzahlen und die Organisations-struktur. Bei den „weichen“ Instrumente sind Führungsleitlinien, Verhaltenskodizes und ähnliches zu nennen. Den „weichen“ Instrumenten ist allerdings ein höherer Stellenwert zuzumessen, da zum Beispiel das (Vor-)Leben der Unternehmenskultur durch die Geschäftsleitung wesentlich zum Erfolg des Unternehmens beiträgt. Obwohl die Steuerungssysteme vieler Unternehmen nahezu identisch erscheinen, sind die Details meist abweichend. So werden sich die Kennzahlen, die für die Kundenzufriedenheit gewählt wurden, in vielen Fällen unterscheiden. 

Die Möglichkeit ein solches Steuerungssystem detailliert zu betrachten bzw. zu optimieren wird dagegen nur sehr selten genutzt, obgleich die grundlegenden Kenntnisse bei den Aufsichtsräten regelmäßig vorhanden sein werden, eine hohe Offenheit der Geschäftsleitung zu erwarten ist und prominente Beispiele, wie das Zielvereinbarungssystem von Google, die Wirksamkeit einer solchen indirekten Einflussnahme belegen.

Dabei verfügen die Steuerungssysteme der erfolgreichsten Gesellschaften über nachstehende vier Hebel:

  • Strategie
  • Kennzahlen
  • Organisation
  • Kultur

Abschließende Handlungsempfehlung

Bevor eine Veränderung des Steuerungssystems innerhalb des Unternehmens vollzogen werden kann, ist zunächst eine Standortbestimmung notwendig. Den Impuls dafür hat der Aufsichtsrat als geschlossenes Gremium zu geben und die spätere Anpassung des Steuerungssystems ist durch diesen voranzutreiben, da das Top-Management meist an die bereits bestehenden Führungsinstrumente gewöhnt ist.

Unser Service

Wir unterstützen Aufsichtsräte gern bei der Analyse und der Weiterentwicklung von Steuerungssystemen und den damit einhergehenden Fragestellungen wie zum Beispiel:

  • Besteht eine detaillierte und eindeutige Beschreibung des Steuerungssystems?
  • Liegen wirksame Rahmenbedingungen vor?
  • Wird das Steuerungssystem fortdauernd überprüft und bei Bedarf angepasst?

Sollten Sie nähere Informationen wünschen oder weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Einen Überblick unserer aktuellen Veranstaltungen für Aufsichtsräte finden Sie hier.