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Solidarität!

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Aktuell ist ein Gespräch ohne auf den Coronavirus einzugehen nahezu unmöglich und selbst der blutigste Anfänger im Small Talk dürfte es dank Corona schaffen, ein Gespräch aufzubauen. Daher ist Corona auch in diesem Blog leider unvermeidlich.

Ich würde an dieser Stelle sehr gerne meine Gedanken mit Ihnen bezüglich Solidarität in der Corona-Krise als auch Solidarität im Allgemein teilen, getreu dem Helmut Schmidt Zitat „In der Krise zeigt sich der Charakter!“.

Solidarität (abgeleitet vom lateinischen solidus für gediegen, echt oder fest; Adjektiv: solidarisch) bezeichnet eine zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus.

In der derzeitigen Corona-Krise lassen sich zahlreiche allgemeine Beispiele für Solidarität finden:

  • Die Unterstützung von deutschen Krankenhäusern mit der Aufnahme von Corona-Patienten aus Frankreich und Italien
  • Die finanzielle Unterstützung von besonders betroffenen Berufsgruppen wie Gastronomie, Reise- und Luftfahrbranche, Eventveranstalter durch den Staat und so weiter
  • Die Besorgung für die Nachbarn in Quarantäne oder auf Grund Risikogruppenzugehörigkeit

Auch für Unternehmen finden sich verschiedenste Beispiele, um Solidarität zu zeigen:

  • Unternehmen verzichten auf Kündigungen, dafür sind die Mitarbeiter zu Zugeständnissen wie freiwilligen Urlaub, Sabbaticals, Kurzarbeit oder ähnliches bereit
  • Unternehmen zeigen sich solidarisch mit ihren Lieferanten und zahlen pünktlich oder in kritischen Fällen vielleicht sogar schon vor der tatsächlichen Fälligkeit, dafür garantieren die Lieferanten Versorgungssicherheit
  • Lieferanten sind kulanter im Umgang mit Kunden, in dem sie nicht sofort auf Vorauskasse umstellen oder sogar längere Zahlungsziele gewähren

Solidarität sollte aber auch kritisch reflektiert erfolgen. So darf durchaus im Rahmen der Corona-Krise die Frage erlaubt werden, ob Unternehmen (aber auch Gastwirte etc.), die in der Vergangenheit sehr gut verdient haben, jetzt tatsächlich Anspruch auf Solidarität haben sollten. Gilt hier vielleicht eher doch das Prinzip, dass Gewinne zwar individuell vereinnahmt werden, Verluste aber solidarisiert werden?

Was auch vermieden werden sollte, ist die Ausnutzung der Solidarität oder falsch verstandene Solidarität. Eine Ausnutzung der Solidarität kann durch Unternehmen erfolgen, die zwar Kurzarbeit beantragen, aber dann doch den zwar illegalen, aber dennoch genutzten Deal mit ihren Mitarbeitern haben, dass diese ein bisschen mehr arbeiten, wenn sie denn wollen. Oder zahlreiche Unternehmen, die sich jetzt durch die Corona-Krise betroffen fühlen aber vergessen, dass ein Teil eben schlichtweg auch Teil der unternehmerischen Tätigkeit ist, welche eben mit Chancen als auch mit Risiken verbunden ist.

Dies geht natürlich einher mit falsch verstandener Solidarität. Die Unterstützung von vermeintlich Gleichgesinnten, die aber in Wahrheit gar keiner Unterstützung bedürfen. Dabei sollte man hinsichtlich den Gleichgesinnten sehr vorsichtig abwägen, ob diese tatsächlich gleichgesinnt sind („partnerschaftliche Kunden-/Lieferantenbeziehung“ oder „ein Team“) oder nicht doch auf ihren individuellen Vorteil abzielen. Oder die Solidarisierung mit vermeintlich ungerecht Behandelten, bei denen sich dann bei näherer Betrachtung herausstellt, dass es objektiv nachvollziehbare Gründe für diese „ungerechte“ Behandlung gab.

In diesem Sinne zeigen Sie Solidarität, nicht nur in der Corona-Krise, aber seien Sie nicht unreflektiert solidarisch!

Ihr

Ingo Weber