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Ronaldo und der Klassenstreber

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So, die Europameisterschaft ist für uns vorbei. Deutschland hat gegen Frankreich gut gespielt, aber weniger Tore geschossen und damit ist die Rechnung im Fußball relativ einfach. Derjenige, der die meisten Tore schießt gewinnt. Dass wir nach Samstag erneut gegen Italien – bzw. den entsprechenden Schiedsrichter – gespielt haben, lassen wir jetzt mal offen für Diskussionen (und Rechtfertigungen inklusive Jogi’s Selbstgefälligkeit nach dem Spiel).

Dass der nur 176 cm große Antoine Griezmann neben den Toren gegen die deutsche Mannschaft generell eine tolle Leistung in diesem Turnier spielt, könnte ihn zum „Man of the Tournament“ machen. Aber Halt! Gab es da nicht noch jemand anderen? Stimmt, da war noch der stets gut frisierte, attraktive und muskulöse Portugiese Cristiano Ronaldo.

Aber warum mögen die meisten diesen Ronaldo eigentlich nicht? Okay, das mit den meisten stimmt vermutlich nicht. Da gibt es z. B. die weibliche Hälfte der Bevölkerung, welche dies zumindest teilweise ganz anders sieht, Stichwort: „süüüüüüüß“. Aber ansonsten trifft es wohl zu. Stimmt, er hat ein arrogantes Auftreten (auf dem Platz), nervt mit seinem John Wayne-mäßigen (für die jüngere Generation: Amerikanischer Westernheld) breitbeinigen Freistoßanlauf und meckert, sobald er nur ein bisschen geschubst wird. Jedoch: objektiv betrachtet kann Ronaldo ziemlich gut Fußball spielen, sieht gut aus und verdient eine ganze Menge Geld. Ist das vielleicht der Grund warum wir ihn nicht mögen? Ist es der Neid gegenüber den Erfolgreichen? Und haben wir uns schon mal die Frage gestellt, ob dahinter nicht richtig harte Arbeit steckt. Seit dem letzten Portugalspiel haben wir dank des mehr oder minder qualifizierten Kommentars von Tom Bartels dazugelernt, dass Ronaldo einer der fleißigsten Fußballer ist, einer der ersten die zum Training kommen und der nach dem offiziellen Ende gerne noch eine Schippe drauflegt. Von nichts kommt nichts, wirkliche Ausnahmetalente mal abgesehen.

Was mich dann zu unserer Schul- und Studienzeit zurückführt bzw. aktuell in unser aktuelles Arbeitsumfeld. Gab es nicht in jeder Schule oder Universität die sogenannten Streber, also diejenigen, die bereit waren mehr zu leisten als die anderen und dafür aber mit sehr guten Noten glänzten? Und waren wir nicht auch neidisch auf deren Leistungen? Allerdings haben wir dann auch schnell vergessen, dass während wir in der Sonne im Biergarten saßen, diejenigen zuhause im wahrsten Sinne des Wortes über ihren Büchern schwitzen – ohne Fleiß kein Preis. Eigentlich auch schade für das schöne Wort „streben“, laut Duden zwar ein sogenanntes „schwaches Verb“, aber mit der Bedeutung „sich energisch, zielbewusst, unbeirrt, zügig irgendwohin, zu einem bestimmten Ziel bewegen“ oder „sich sehr, mit aller Kraft, unbeirrt um etwas bemühen; danach trachten, etwas Bestimmtes zu erreichen“. Auch im Arbeitsumfeld gibt es diejenigen, die bereit sind, die Extra-Meile zu gehen. Und auch hier werden diese teilweise negativ von den vielleicht etwas weniger ambitionierten Kollegen misstrauisch beäugt. Eigentlich schade, sollten wir uns doch darüber freuen, dass es Menschen gibt, die durch überdurchschnittliche Leistungen und entsprechenden Einsatz bereit sind etwas Tolles zu vollbringen!

In diesem Sinne, sehen Sie die sogenannten „Streber“ nicht immer nur negativ, sondern erkennen Sie auch deren Leistung an – nicht runterziehen, sondern nach höherem streben (!) ist das Motto!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber