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Praxisreihe: Asset Protection für Aufsichts,- Verwaltungs- und Beiräte

ARadar -

In unserer Praxisreihe widmen wir uns in mehreren aufeinander folgenden Newslettern jeweils einem für Boards relevanten Thema; in diesem Fall der Asset Protection oder auf gut deutsch: dem Vermögensschutz. Es mag sonderbar klingen, aber hierbei geht es tatsächlich um das Privatvermögen der Mandatsträger, welches es gut zu schützen gilt.

In der Regel nehmen Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte ihr Mandat zumindest nach eigener Einschätzung mir großer Sorgfalt, Kompetenz und Zeit wahr. Dennoch ist fraglich, ob die Risiken und Auswirkungen eines Mandats umfänglich bekannt sind und geeignete präventive Maßnahmen zum (eigenen) Schutz früh- und rechtzeitig ergriffen worden sind.

Im Alltag werden die meisten Mandatsverha?ltnisse geräuschlos ohne Konflikte oder ähnliches beendet. Oft wird jedoch vergessen, dass man noch viele Jahre nach Verlassen des Gremiums für Entscheidungen aus der aktiven Zeit haftet, da Verjährungsfristen noch nicht abgelaufen sind. Die Korrekturmöglichkeiten als Außenstehender sind dann jedoch regelmäßig sehr begrenzt. Insofern ist es umso wichtiger, durch gezielte Maßnahmen im Rahmen seines Mandats aus einer trügerischen Sicherheitslage eine tatsächliche Absicherung zu machen.

Illustrativ sollen daher in den folgenden Newsletter auf wesentliche Bausteine zur Asset Protection eingegangen werden, z. B. Kompetenz, D&O-Versicherung, Effizienzpru?fung etc.

Teil 1: Kompetenz 

Wann verfüge ich bezüglich meines Aufsichts-, Verwaltungs- oder Beiratsmandats über ausreichend Kompetenz? Und wann nicht? Ungeachtet von mehr oder weniger seriösen Checklisten könnte eine ehrliche Selbstreflektion verbunden mit einem BGH-Urteil helfen. Nach einer grundlegenden Entscheidung („Hertie“), muss jedes Aufsichtsratsmitglied die Kenntnis und Fähigkeiten besitzen oder sich aneignen, alle normalen Geschäftsvorgänge verstehen und beurteilen zu können. Was normal ist, hängt dabei maßgeblich von der Branche des Unternehmens ab sowie von der Größe, Komplexität und Risikosituation. Klar ist aber, dass sich das angesprochene BGH-Urteil nicht auf das gesamte Gremium, sondern den einzelnen Aufsichtsrat bezieht.

Eine wesentliche Tatsache ist, dass für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht die Kompetenz und die dazu führende Qualifizierung unablässig ist. Sie führt zur inhaltlichen Verbesserung von Entscheidungen sowie zur Vermeidung von Haftungsanspru?chen im Rahmen der so genannten Business Judgement Rule. Danach liegt vereinfacht ausgedrückt auch bei „schlechten unternehmerischen Entscheidungen“ kein Verschulden vor, wenn vernünftigerweise angenommen werden darf, dass zum Entscheidungszeitpunkt auf der Grundlage angemessener Information zum Wohle der Gesellschaft gehandelt wurde. Fachkompetenz ist der Schlüssel dafür.

Typische Kompetenzfelder sind Strategie, Finanzen, Rechnungslegung und Risikothemen (Aufzählung nicht abschließend). Eine Exkulpation aufgrund von falscher Einschätzung oder gar Unkenntnis besteht nicht. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Sorgfaltspflicht nicht nur das Tun, sondern auch das Unterlassen (z. B. von eigenen Recherchen, Fortbildungen, etc.) umfasst. Dazu würde auch das Unterlassen kritischer und kompetenter Fragen gegenüber der Geschäftsleitung zu oben angeführten Themengebieten gehören.

Die Notwendigkeit zur sachkundigen Aufsichtsfu?hrung besteht ab dem Zeitpunkt der Berufung ins Gremium; eine „Schonfrist“ bzw. „Probezeit“ gibt es nicht. Für das Schließen möglicher Wissensdefizite hat sich in der Praxis ein 6-monatiger Zeitraum ab Mandatsbeginn etabliert. Dieser Zeitraum ist jedoch nicht mit einem Haftungs- oder Risikoaufschub zu verwechseln. Qualifizierungsmaßnahmen, die der Sicherstellung der notwendigen Fachkompetenz dienen, sind eine „Holschuld“ jedes Aufsichtsrats. 

Dennoch ist ein gewisses Augenmaß sinnvoll, denn nicht jedes Board-Mitglied kann alles wissen. Vielmehr geht es um die Erfüllung der Gesamtaufgabe durch das Gremium als Kollektiv und in diesem Zusammenhang um die Sicherstellung ausreichender komparativer Qualifikationen; sowohl bei den einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern als auch bei der Neubesetzung bzw. Zusammensetzung des Gremiums insgesamt und seinen Ausschüssen.

Wir begleiten Aufsichtsratsgremien seit vielen Jahren bei diesen Fragestellungen und arbeiten gemeinsam mit Ihnen zum Beispiel an nachfolgenden Aspekten:

  • Sind die erforderlichen Kompetenzen im Gremium ausreichend vorhanden? 
  • Wurde eine solche Standortbestimmung bereits durchgeführt?
  • Falls ja, ist sie die Grundlage für Schulungen, Nachfolgeplanungen etc.?
  • Bestehen so genannte „blinde Flecken“ oder sogar offenkundige Haftungsrisiken?

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Kompetenzbereich „Gremienentwicklung“ oder im persönlichen Gespräch.