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Öffentliche Wahrnehmung von Aufsichtsräten

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„Die Tätigkeit in einem Aufsichtsrat erfordert wenig Aufwand, ist mit keiner Verantwortung verbunden und übermäßig gut bezahlt.“ Dies ist eine Gesetzesbegründung aus dem Jahre 1906 zur damaligen Höchstbesteuerung. Mittlerweile kam es jedoch zu einer Vielzahl von Gesetzesänderungen, wodurch sich die Gremienarbeit weitreichend verändert hat. 

Zu einem Umdenken in einem großen Teil der Gesellschaft, hat das meiner Ansicht nach jedoch noch nicht geführt. Obwohl der Aufsichtsrat den Vorstand zum Wohle der Gesellschaft überwachen und teilweise auch beraten soll und bei einer etwaigen Pflichtverletzung Klage gegen diesen erhebt (wodurch er die Aktionärsinteressen vertritt), ist seine Reputation meist negativ. 

Eine Ursache dafür ist meines Erachtens, dass in den Medien sehr häufig auf die sogenannten „Managergehälter“ eingegangen wird und die Aufsichtsratsbezüge der Aufsichtsräte als maßgebend erachtet werden, die in den Gremien der „Big-Player“ vertreten sind. Oftmals werden dabei die Pflichten der Gremienmitglieder außer Acht gelassen und deren Umfang nicht fundiert dargestellt. 

Jedes Aufsichtsratsmitglied muss für eine angemessene Überwachung des Vorstandes eine Vielzahl von Kenntnissen vorweisen, um selbst keine Pflichtverletzung zu begehen. Zu diesen gehören nicht nur ein umfangreicher Sachverstand in Bereichen wie Rechnungslegung oder Abschlussprüfung, vielmehr muss das einzelne Aufsichtsratsmitglied die sehr vielfältigen rechtlichen Aspekte berücksichtigen und die Anwendbarkeit der einzelnen Rechtsquellen beurteilen können. So müssen beispielsweise zusätzlich zum Aktiengesetz, verpflichtend bei einer börsennotieren AG und empfehlenswert für alle anderen Gesellschaften, die Leitlinien des Deutschen Corporate Governance Kodex beachtet werden. Diese Regelungen enthalten weitere Pflichten, die einzuhalten sind. Dazu gehört zum Beispiel gemäß Ziff. 5.6 des DCGK, dass das Gremium regelmäßig eine Effizienzprüfung durchführen soll.

Es ist somit festzuhalten, dass die Mitglieder des Boards nicht nur in einem Gebiet eine umfassende fachliche Expertise benötigen, sondern ein breit gefächertes Spektrum an Wissen vorweisen müssen. Dieses reicht, wie oben aufgeführt, von der Auslegung der einzelnen Regelungen, bis hin zu der Berücksichtigung gerade erst entstehender neuer Technologien, bei der Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft.

Um auf die Vergütung der einzelnen Aufsichtsratsmitglieder einzugehen, ist anzumerken, dass im Falle einer Pflichtverletzung das Gremienmitglied vollumfänglich mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Dabei ist zu beachten, dass sich die Höhe des Schadensersatzes schnell in einem Millionenbereich befindet. Entsprechende gerichtliche Entscheidungen gibt es seit längerem. Meist sind diese in der breiteren Gesellschaft jedoch nicht bekannt. 

Es ist davon auszugehen, dass es zukünftig zu keiner Entlastung des Gremiums, sondern zu einer immer weiter fortschreitenden Professionalisierung kommt und der Aufsichtsrat teilweise zum Sparringspartner der Geschäftsleitung wird. Des Weiteren ist anzumerken, dass in Zeiten der Digitalisierung ein schnelles Handeln der einzelnen Mitglieder gefordert ist, da sich diese auf alle Unternehmensbereiche auswirkt. Aus diesem Grund ist unter anderem eine effiziente Beschlussfassung nicht nur gewünscht, sondern zwingend notwendig.

Als Fazit kann man festhalten, dass es zu einer vollständigen Umwälzung der Rolle des Aufsichtsrats innerhalb des Unternehmens in den letzten einhundert Jahren kam und seine Tätigkeit sehr viel Aufwand und Fachwissen in vielen Bereichen erfordert. Hinzu kommen die hohen Haftungsrisiken der einzelnen Aufsichtsratsmitglieder. Ein neues Rollenverständnis des Aufsichtsrats sollte sich folglich in der Allgemeinheit etablieren, da dieser die Belange der einzelnen Aktionäre und gesellschaftliche Interessen im Unternehmen durchsetzt.

Ihr 

Markus Mai