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Neulich war ich im Improvisationstheater

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Ich könnte diesen Blog beginnen mit „Neulich war ich im Improvisationstheater…“. Allerdings werden diejenigen, die mich gut kennen, vermutlich relativ schnell realisieren, dass das Risiko, mich im Improvisationstheater zu treffen, recht überschaubar ist. Aber immerhin habe ich mit der Headline Ihre Aufmerksamkeit.

Neulich las ich einen Beitrag einer Verhaltensforscherin, die einen zehnwöchigen Kurs im Improvisationstheater besucht hat. Klingt doch dann schon deutlich plausibler. Diese Dame namens Francesca Gino, die Professorin für Business Administration in Harvard ist, hat aus ihren Theaterbesuchen drei Regeln mitgebracht, die Managern (und Mitarbeitern!) bei der Personalführung und Zusammenarbeit helfen können.

Da der ein oder andere Improvisationstheater nur vom Hörensagen kennt, kurz zur Erläuterung: In einem improvisierten Theaterstück entwickeln Schauspieler gemeinsam eine Szene oder erzählen eine Geschichte, bei der jeder die Möglichkeit hat, etwas zu erzählen. Jeder Beitrag der Teilnehmer ist willkommen und wird wertgeschätzt. Alle kooperieren miteinander, unterstützen sich gegenseitig und arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin. Wir ahnen schon die Parallelen zur Unternehmenswelt.

Regel Nr. 1: Erst Zuhören, dann Sprechen

Die Herausforderung in Besprechungen ist häufig, dass nicht den Redebeiträgen der anderen zugehört wird, sondern man bereitet sich eher auf seinen eigenen Redebeitrag vor. Die Übung aus dem Improvisationstheater, um das Zuhören zu verbessern, nennt sich „Letztes Wort - erstes Wort“. Dabei beginnt man seine Antwort mit dem letzten Wort des Vorredners. Dies lässt sich auch sehr leicht in Besprechungen umsetzen, in dem man seinen Beitrag mit dem letzten Wort des vorangegangenen Teilnehmers beginnt. Eine weitere Herausforderung bei Besprechungen ist, dass manche Teilnehmer zu viel Sendezeit für sich in Anspruch nehmen, anstatt ihre Gedanken kurz und auf den Punkt zu formulieren. Hier wird als Training die „Ein-Wort-Geschichte“ empfohlen. Dabei trägt jedes Gruppenmitglied der Reihe nach ein Wort zu einer Geschichte bei, die aber zusammenhängend klingen soll, als würde sie nur von einer Person erzählt werden. Hierdurch können zum Beispiel Teams, die über verschiedene Pläne nachdenken, spannende Impulse geben.

Regel Nr. 2: Zu Wissenslücken stehen

Wir halten gerne an unseren eigenen Ideen und Vorstellungen fest. Wenn wir uns einmal für etwas entschieden haben, fällt es uns sehr schwer, davon wieder abzulassen. Francesca Gino schildet dabei eine Szene aus dem Improvisationsunterricht, bei der sie offensichtlich einen Beitrag ihres Vorredners vollkommen missinterpretierte und dieser sich dennoch aufgeschlossen zeigte, auf dieser fehlerhaften Auslegung aufzusetzen. Diese Lehre aus dem Improvisationstheater, nicht zu wissen, was der Partner sagt, zu welchen Reaktionen er inspiriert und was am Ende dabei rauskommt, kann der Teamarbeit zugutekommen. Dabei ist es wichtig, zu Beginn einer Besprechung den Teilnehmer aufzuzeigen, wie wichtig Akzeptanz ist (und nicht Widerrede) und man lieber „Warum“-, „Wie“- oder „Was wäre wenn“-Fragen stellen sollte. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an dieser Stelle auch an das Sesamstraßen-Motto, „Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!“.

Regel Nr. 3: Alle (!) zur Mitarbeit ermutigen

Ist ein Gruppenleiter sehr dominant, so beherrscht er auch häufig Diskussionen und die übrigen Mitarbeiter leisten weniger (wertvolle!) Beiträge. Diese Teams schnitten in Vergleichen deutlich schlechter ab wie Teams, mit einem Teamleiter ohne besondere Machtposition. Auch interessant übrigens die Tatsache, dass Menschen kritisches Feedback häufig ignorieren und sogar denjenigen aus dem Weg gehen. Im Improvisationstheater hingegen gibt es keine Machtunterschiede. Um zu vermeiden, dass jemand dennoch die Szene an sich reißt, gibt es das „Ja und…“-Prinzip. Auch wenn man nicht der Meinung seines Vorredners ist, widerspricht man ihm nicht, sondern setzt darauf mit einem „Ja und…“ (statt einem „Ja aber…“) auf und vermeidet so die Widerrede.

In diesem Sinne, bringen Sie doch ein bisschen Improvisationstheater auch in Ihr Unternehmen und Ihr Team und wenn Sie ganz mutig sind, nehmen Sie doch mal an einem Improvisationstheater teil!

Ihr

Ingo Weber