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Libra – Facebook’s Idee einer Kryptowährung

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„Libras Mission ist es, eine einfache, globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen bereitzustellen, die ihnen das Leben leichter machen.“ 

So lautet das einführende Statement in Libras Whitepaper, mit dem das Konzept der Kryptowährung im Juni diesen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt und mit einer Vielzahl industrieübergreifender multinationaler Unternehmen als strategische Partner verkündet wurde. 2020 soll die Kryptowährung offiziell an den Start gehen und laut der Zielbeschreibung möglichst vielen Menschen, die bisher keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen besitzen, diesen Zugang ermöglichen. Facebook als Initiator des Vorhabens gründete zu diesem Zweck mit 28 weiteren Mitgliedern die Libra Association in der Schweiz. Unter den ursprünglichen Gründungsmitgliedern sind die Finanzdienstleistungsschwergewichte Mastercard und Visa, Zahlungsdienstleister PayPal, und Fahrdienstvermittler Uber zu finden. 

Fast simultan mit der Ankündigung dieser technischen Revolution für die globale Finanzwirtschaft, wurde Kritik in den Medien laut. Die Fakten zur Kryptowährung und die aktuellen Entwicklungen kurz zusammengefasst:

1) Funktionsweise: Libra fungiert als Währungskorb. Das unterscheidet die Krypto-Währung deutlich von anderen Coins wie Bitcoin oder Ether. Libra soll dem Whitepaper nach unter anderem an den Euro, den US Dollar und britische Pfund geknüpft sein. Abgesehen vom chinesischen Renminbi, der in Libra nicht beinhaltet ist, imitiert Libra den Währungskorb des IMF. Zusätzlich soll der Singapore Dollar in den „Libra-Korb“ aufgenommen werden. Die Verknüpfung von Libra und „realen“ Währungen basiert dabei auf einem 1:1 Tauschmechanismus. Für eingetauschte Beträge werden Libra gutgeschrieben, das Schürfen von Kryptowährungen im klassischen Sinne ist bei Libra nicht möglich. Spekulationen und extreme Kursschwankungen, wie vor zwei Jahren bei einer Vielzahl von Kryptowährungen, werden somit verhindert. Dies macht den Libra zur digitalen Alternativwährung.

Gleichzeitig soll die Anzahl an ausgegebenen Libra Coins nicht begrenzt werden – Kryptowährungen wie Bitcoin können hingegen an ein Kosten-Nutzen-Limit stoßen. Dies geschieht, wenn das Schürfen der Kryptowährung aufgrund Energie- und Speicherintensität unwirtschaftlich wird. Im Gegensatz dazu ist die einzige theoretische Grenze für den Eintausch in Libra die Verfügbarkeit der Fiatwährung, also Euro etc. Libra würde damit zum Währungssubstitut mit einem nahezu stabilen 1:1 Wechselkurs, solange sich die zugrunde gelegten Währungen zueinander stabil verhalten. Die im Hintergrund entstehende Einlage wird als „Libra Reserve“ bezeichnet. Die Mitglieder der Libra Association verwalten die Bestände der eingetauschten „echten“ Währungen. 

2) Technologie: Libra basiert auf einer eigenen Blockchain. „Move“ fungiert dabei als neue Programmiersprache, mit welcher Smart Contracts in der Blockchain integriert werden. Während Kryptowährungen wie Bitcoin auf einer Blockchain basieren, die von allen Usern getragen wird, ist Libra als ein privates Netz aus den Mitgliedern der Libra Association konzipiert. Entgegen der eigentlichen Idee der Distributed Ledger Technologie, zu welcher die Blockchain zählt, verfügt Libra über eine zentralisierte Datenbank und Administration – die einzelnen Mitglieder unter dem Mantel der Association. Damit geht der Vorteil der Dezentralität und Sicherheit verloren.

3) Geschäftsmodell: Libra ermöglicht den Mitgliedern der Association die Erwirtschaftung von Kapitalerträgen aus sicheren Anlagen mit den Mitteln der hinterlegten Reserve. Welche Anlagen als sicher eingestuft werden, unterliegt der Einschätzung der Association und könnte somit über Staatsanleihen hinaus gehen. Für die teilnehmenden Zahlungs- und Finanzdienstleister wie PayPal und Mastercard würde die Teilnahme an Libra die Weiterentwicklung des aktuellen Geschäftsmodells und die Ausrichtung an technologischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Trends bedeuten – Kryptowährungen unbeachtet zu lassen wäre eine wenig vorausschauende Entscheidung. Facebook selbst plant das für Libra entwickelte Wallet „Calibra“ in seine sozialen Netzwerke Facebook und Whatsapp zu integrieren. Damit werden die Services rund um Libra direkt in die bestehenden Netzwerke implementiert und haben bereits von Beginn an eine große Reichweite. 

4) Kritikpunkte: Neben der Sorge um das staatliche Geldmonopol werden auch die Attraktivität für kriminelle Aktivitäten und die im Vergleich zu anderen Kryptowährungen wenig dezentralisierte technische Ausgestaltung kritisiert. Die Schweizer Finanzaufsichtsbehörde Finma, bei der Libra beantragt als Zahlungssystem anerkannt zu werden, hat signalisiert, dass eine Zulassung an hohe Anforderungen geknüpft sein werde. Die Bundesregierung lehnt den Libra in seiner aktuellen Konzeption komplett ab. Das Whitepaper bleibt außerdem schuldig, wie die Kryptowährung dazu beiträgt, Finanzdienstleistungen für die Menschen zugänglich zu machen, denen dieser Zugang bisher nicht möglich ist, wenn die grundlegende Infrastruktur in Form Konten mit Guthaben für den Eintausch weiterhin fehlt.

5) Aktuelle Entwicklungen: Unter anderem haben sich PayPal, Visa und Mastercard Anfang Oktober aus dem Libra-Projekt zurückgezogen. Statements der Unternehmen lassen darauf schließen, dass der politische und regulatorische Druck zu groß ist. Begraben sind Kryptowährungen deshalb aber keinesfalls.

Derweil in China: Das digitale Aufrüsten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt findet auch im Bereich der Währung statt. China arbeitet mit Hochdruck an einer staatlich-kontrollieren digitalen Währung. Die Nutzerakzeptanz stellt, wenn überhaupt, eine minimale Hürde dar. Im Fall China greift der Staat auch im Bereich der Kryptowährung nach seiner Monopol-Stellung und lässt für privatwirtschaftliche Konstrukte keinen Spielraum. Diese Transformation hat aber nicht nur innenpolitische Motive. Ein digitaler Renminbi könnte dem chinesischen Staat helfen, eine Alternative zum global etablieren SWIFT-System aufzubauen.

Europa hingegen hat aktuell wieder nur eine Rolle als Beobachter inne und versucht den Entwicklungen mit Regulatorik Herr zu werden. Das Beispiel Libra und der (wichtige) Blick nach China zeigen, wie abgeschlagen und reaktionär Europa hinter der Supermacht USA und dem Challenger China wirtschaftlich und technologisch hinterherhinkt. Während die Mehrheit ein privatwirtschaftliches Modell für digitale Währung aktuell ablehnt, ergreifen die europäischen Staaten bisher selbst keine ernsthafte Initiative, um die Transformation aktiv zu gestalten. 

Bis bald,

Patrick Weber

#digitalfuture #finance