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Krypto-Assets – Bestandsaufnahme zur aktuellen IFRS-Rechnungslegung

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Kryptowährungen wie Bitcoins und andere Krypto-Assets sind Innovationen des 21. Jahrhunderts und haben auch für Unternehmen verstärkt an Bedeutung gewonnen. Vermehrt lassen Unternehmen digitale Zahlungen via Bitcoin zu, für einige Start-ups stellen Krypto-Assets sogar die Grundlage ihres Geschäftsmodells dar.

Krypto-Assets sind digitale Einheiten, die peer-to-peer (ohne Intermediär wie z. B. Banken) übertragen werden können. Die Übertragung eines Krypto-Assets erfolgt mittels der Blockchain-Technologie. Die Blockchain stellt ein digitales Kontenbuch dar, in dem über einen kryptografischen Algorithmus verschlüsselte Transaktionen aufgezeichnet werden.

Dabei stellt sich die Frage, wie solche Transaktionen von Krypto-Assets bilanziell abzubilden sind. Weder nach IFRS noch nach HGB sind derzeit Rechnungslegungsstandards für die Erfassung und Bewertung von Krypto-Assets vorhanden. Weiterhin erschweren unterschiedliche Ausgestaltungen von Krypto-Assets sowie deren schnelle Veränderungen das Ausarbeiten von Leitlinien.Krypto-Assets lassen sich derzeit grob in vier Kategorien mit den folgenden Merkmalen einteilen: 

Nach IFRS wird ein Vermögenswert in der Bilanz erfasst, wenn es sich um eine Ressource handelt, die aufgrund vergangener Ereignisse vom Unternehmen kontrolliert wird, und ein zukünftiger Nutzenzufluss wahrscheinlich ist. Weiterhin müssen die Kosten verlässlich bewertet werden können. Diese Kriterien des Conceptual Framework werden bei Krypto-Assets nach derzeitigem Literaturstand grundsätzlich als erfüllt angesehen.Abhängig vom Zweck, zu dem ein Unternehmen ein Krypto-Asset erworben hat, sowie von den unterschiedlichen und stetig sich wandelnden Merkmalen von KryptoAssets könnten unterschiedliche IFRS Standards einschlägig sein. Die folgende Übersicht stellt dar, welche Standards im Zusammenhang mit der Bilanzierung von Krypto-Assets derzeit diskutiert werden:

Eine Überlegung ist, ob Krypto-Assets als Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente angesehen werden könnten. Da Krypto-Assets derzeit weder Preise für Dienstleistungen oder Güter bestimmen, keine physische Form besitzen noch als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, wird ein Ausweis als Zahlungsmittel in der Bilanz abgelehnt. Ein Ausweis als Zahlungsmitteläquivalente wird aufgrund beachtlicher Kursschwankungen ebenfalls momentan als nicht sachgerecht angesehen.

Weiterhin wird diskutiert, ob Krypto-Assets als finanzielle Vermögenswerte auszuweisen sein könnten. Kryptowährungen erfüllen laut derzeitiger Meinung nicht die Definition eines finanziellen Vermögenswerts, da das Halten von Kryptowährungen dem Inhaber kein vertragliches Recht auf Bargeld oder andere finanzielle Vermögenswerte verleiht. Bei Krypto-Assets der anderen drei Kategorien könnte eine Bilanzierung als finanzieller Vermögenswert zutreffend erscheinen, sofern das Krypto-Asset aus einer rechtlich durchsetzbaren Vertragsbeziehung entsteht.

Anfang März 2019 hat sich das IFRS Interpretations Committee (IFRIC) zu möglichen Bilanzierungsweisen von im Unternehmen gehaltenen Kryptowährungen geäußert. Im Bestand befindliche Kryptowährungen, die kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern eine digitale Währung darstellen und einzeln verkauft, getauscht oder übertragen werden können, entsprechen laut IFRIC der Definition eines immateriellen Vermögenswerts i.S.d. IAS 38. Werden Kryptowährungen zum Verkauf im normalen Geschäftsgang und nicht längerfristig zu Investitionszwecken gehalten, kommt die Bilanzierung nach „IAS 2: Vorräte“ zur Anwendung. Nach IAS 2 können grundsätzlich auch immaterielle Vermögenswerte im Vorratsvermögen bilanziert werden. Diese Überlegungen gelten derzeit auch für die Abbildung von Krypto-Assets der anderen drei Kategorien.

Krypto-Assets haben mit verschiedenen Standards Schnittmengen, werden jedoch aufgrund der unterschiedlichen Ausgestaltungen keinem Standard vollständig gerecht. Somit könnte derzeit auch ein Ausweis nach IAS 1.55 als zusätzlicher Bilanzposten zum Zweck einer aussagekräftigeren Darstellung gerechtfertigt sein.

Der aktuelle Regelungsrahmen führt zu diversen Auslegungsfragen. Vorstehend wurde lediglich ein kurzer Überblick zu den derzeitigen Bilanzierungsüberlegungen für von Unternehmen gehaltenen Krypto-Assets dargestellt. Weitere bilanzielle Herausforderungen sind u.a. das professionelle Mining, das sogenannte Initial Coin Offering (ICO) und die schnelle, vielfältige Entwicklung von Krypto-Assets, für die sich erst noch Leitlinien in Theorie und Praxis entwickeln müssen.

Autorin: Nadine Mäsker