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Klatsch & Tratsch

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„Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt, was man weiß, nicht alles glaubt, was man hört und über den Rest einfach nur lächelt.“, so eine Lebensweisheit. Aber wird diese denn auch tatsächlich angewandt? Erinnern Sie sich doch bitte kurz an die letzten Gespräche „unter Kollegen“ im Büro oder abends „unter Freunden“ und schätzen Sie wie hoch der Anteil an Klatsch bzw. Gerüchten im Gegensatz zu Tatsachen war. Mehr als 25 %? Mehr als 50 %?

Dabei ist Klatsch – zumindest laut der Bibel – doch eine der Todsünden! Der Heilige Paulus ordnete üble Nachrede, Überheblichkeit und Hochmut zusammen mit Mord und Unzucht unter die Laster ein, welche die schärfsten Strafen verdienen. Lehrer sowie häufig auch Vorgesetzte fordern immer wieder dazu auf, keine Gerüchte und Klatsch zu verbreiten. Dafür gibt es natürlich einen sehr guten Grund: Klatsch kann Leute (aber auch Unternehmen, Marken und Produkte) schlecht machen bis hin zu psychischen und daraus resultierenden physischen Schäden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn an den Gerüchten nichts dran ist bzw. sie sogar vorsätzlich gestreut wurden – beispielsweise, um den Ruf einer Person oder Sache zu schädigen. Der US-Präsidentschaftswahlkampf lässt hier grüßen, wobei dieser sicherlich typisch amerikanisch überzeichnet anmutet und auch Wahlkämpfe in anderen Ländern (oder sogar Betriebsratswahlen in Unternehmen) diesem häufig in nichts nachstehen.

Dennoch wird häufig und dabei nicht zu knapp „geklatscht“. Vielleicht kann man Klatsch auch von einer ganz anderen Seite beleuchten (so zumindest Dacher Keltner in seinem Buch „Das Macht-Paradox“): Klatsch als uraltes und universelles Mittel mit dem Gruppen Macht verleihen und entziehen, in dem sie bestimmte Mitglieder als Zielscheibe aussuchen, um die (formellen und informellen) Machtinhaber unter Kontrolle zu halten. Klatsch besteht nämlich darin, die Fähigkeit einer Person für das Gemeinwohl zu sorgen, zu formulieren und dies den anderen mitzuteilen. Es ist also die Art und Weise, wie ein soziales Netz die Reputation einer Person beurteilt und herausbildet. Als zusätzlicher Verstärker wirken heutzutage die sozialen Medien und Netzwerke wie Facebook oder auch What‘s App-Gruppen, die die Verbreitung von Gerüchten merklich erleichtern und beschleunigen. Man denke hier an die aktuelle Diskussion über Fake News auf Facebook oder anderen Kanälen. Ein schönes Beispiel im Übrigen ist der Hashtag „#shittytipper“, welcher (berühmte) Menschen auf Twitter bloßstellt, die zu wenig Trinkgeld gegeben haben. Als positive Beispiele führt Keltner das Lästern über nicht ordnungsgemäße Weidezäune bei den Cowboys auf (in der Hoffnung, dass diese als bald repariert werden) oder das Teammitglied eines Rudervereins, welches sich nicht hart genug im Training und Wettkampf engagierte (mit dem Zweck ihn zu motivieren und alles zu geben). Nun gut, man muss die Beispiele mögen…

Somit ist wohl eine differenzierte Betrachtung von Klatsch durchaus möglich. Interessant ist hierzu auch die Meinung von Thomas Jefferson (ehemaliger US-Präsident) hinsichtlich der Presse: „But to divide those by lying tales whom truth cannot divide, is the hackneyed policy of the gossips of every society." Anders und deutlicher durch Jefferson formuliert: Bei vernichtendem, fehlerhaftem Klatsch handelt es sich um Selbstsucht, Verrat und sozial zerstörerisches Handeln, welches den Zusammenhalt von Gruppen zerstören kann. Auch Keltner kommt zu dem Schluss, dass soziale Sanktionen wie Klatsch schmerzhaft sind und leicht missbraucht werden. Aber nichts desto trotz überwiegen zumindest aus seiner Sicht die Vorteile.

In diesem Sinne, sehen Sie Klatsch nicht nur negativ, aber nehmen Sie sich in Acht vor fehlerhaften und womöglich vorsätzlich gestreuten Gerüchten!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber