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Junge Wilde mit grauen Haaren

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Jammern ist die Sprache der Kaufleute und insofern lassen Sie mich doch damit beginnen. Der Arbeitsmarkt ist eng, gerade im Bereich der Fach- und Führungskräfte ist es aktuell eine extrem große Herausforderung qualifizierte Kandidaten zu gewinnen. Nicht nur wir als Berater kämpfen hier im War of Talents, auch unsere Mandanten – was im Übrigen uns als Beratern wiederum zu Gute kommt. 

Der Fokus der meisten Unternehmensberatungen liegt auf der Gewinnung von Hochschulabsolventen oder jungen Berufstätigen („Young Professionals“). Im Übrigen: Das gerne genutzte Wort „Rekrutierung“ oder neudeutsch „Recruiting“ hat dann doch einen eher militärischen Ursprung und passt vielleicht nicht ganz in die heutige Welt – wobei es bei dem Kampf um die Talente ja eigentlich schon wieder angemessen wäre. Bleiben wir also bei Gewinnung oder auch hier Englisch verblümt „Talent Akquisition“ oder „Talent Acquisition“ – je nach Geschmack. Diese Talente sind jung, dynamisch, ehrgeizig und voller Tatendrang. Nach Jahren der theoretischen Ausbildung in Bachelor- und Masterstudiengängen, hoffentlich ergänzt durch ein oder mehrere qualifizierte Praktika, sind sie erpicht darauf, ihr Wissen auch umzusetzen und die Welt zu retten. Angemessene Bezahlung bei gleichzeitig adäquater Work-Life-Balance mit schnellen Aufstiegsmöglichkeiten und hoher Verantwortung ist der Anspruch. Reisetätigkeit ist grundsätzlich kein Problem, aber wenn’s geht bitte nur ein Modell mit vier Tagen vor Ort beim Mandanten und dem Office Friday. Nach ein paar Jahren setzt dann so langsam allerdings doch häufig die Ernüchterung ein. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind vielleicht doch nicht so schnell wie man erwartet hat oder – das soll tatsächlich vorkommen – man ist einfach nicht gut genug für die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Hinzu kommt, dass die Reisetätigkeit doch auch nicht so toll ist wie erwartet, Weiden in der Oberpfalz oder Rostock sind eben nicht die präferierten Destinationen und ein privater Städtetrip am Wochenende ist dann doch etwas anderes als beruflich in Flughäfen und Konferenzräumen unterwegs zu sein. Häufig kommt auch das Thema Familie bzw. Nachwuchs dazu und damit der Wunsch nach geregelten Arbeitszeiten und Arbeitsplätzen. Schlussendlich erfolgt dann der Wechsel „in die Industrie“. Die Folge für die Beratungen: Eine relativ hohe Fluktuation von bis zu 20 % und im schlimmsten Fall auch entsprechender Know-how-Verlust.

Daher könnte es sich anbieten, bei der Personalgewinnungsstrategie einen ganz anderen Ansatz zu fahren anstatt noch mehr Geld für Absolventenevents auf Sylt oder Mallorca auszugeben (bei denen im Übrigen die Quote der Spaßteilnehmer auch überdurchschnittlich hoch ist). Wir bei der FAS AG kombinieren daher die Jungen Wilden mit den grauen Haaren, den Grey Hairs: Erfahrene bis sehr erfahrene Berater, auch gerne jenseits der magischen Beratergrenze von 40, die mit dem erreichten zufrieden sind, eine adäquate Bezahlung in Relation zu ihrer Berufserfahrung genießen und für die auch Mandanten bereit sind angemessene Tagessätze zu bezahlen. Dabei sind die Aufgaben erfahrener Berater teilweise eher vergleichbar mit einer Interim Manager-Tätigkeit. Auch die Reisetätigkeit ist ab einem gewissen Alter wieder entspannter, oder direkter formuliert, manchmal ist es eventuell so, dass man (oder Frau) vielleicht doch nicht die ganze Woche „zuhause“ sein möchte. Und schlussendlich geht für den ein oder anderen Mitarbeiter „aus der Industrie“ der Wunsch in Erfüllung, auch einmal als wirklich erfahrener Berater tätig zu werden – musste man doch jahrelang unter den jungen, unerfahrenen Beratern mit ihren früher dunklen, heute eher blauen Anzügen (mit braunem Gürtel und Schuhen!) leiden. Gerade bei den Kollegen aus der Industrie profitieren wir zusätzlich von der Tendenz der Unternehmen, sich im Zweifel doch für einen jüngeren Kollegen an Stelle des 50-jährigen Kandidaten zu entscheiden. Im Übrigen auch ein Ansatz für die Industrieunternehmen mal darüber nachzudenken, ob dies nicht ein Personalgewinnungsansatz sein könnte!

Gerade die Kombination aus den beiden Beratergenerationen macht auch für unsere Mandanten Sinn. Je nach Bedarf, die jungen, dynamischen und klassischen Beratertypen oder die fundierten, erfahrenen Kollegen, eben Junge Wilde mit grauen Haaren. Entsprechende Offenheit und Akzeptanz auch auf Mandantenseite ist natürlich Voraussetzung.

In diesem Sinn, lösen Sie sich bei der Gewinnung von Talenten auch mal von klassischen Mustern und setzen Sie doch mal auf wirklich erfahrene Kollegen.

Bis bald

Ihr 

Ingo Weber