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Jäger und Sammler

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In meinem letzten Blogbeitrag habe ich über den schnellen Wandel und die andauernde Suche nach Neuem gesprochen. Dabei lag der Fokus eher auf dem (notwendigen) Anpassungsbedarf auf der unternehmerischen Seite.

Dieses Bedürfnis nach Änderungen gibt es aber auch auf der persönlichen Seite und zwar nicht nur im Bereich des Konsums. Auch im beruflichen Bereich besteht für die meisten eine Notwendigkeit sich den neuen Herausforderungen anzupassen. Im Bereich der Bilanzierung ist nicht mehr HGB State of the Art, sondern IFRS. Und im IFRS-Bereich reicht es auch nicht aus, dies einmal gelernt (gehört?) zu haben, sondern es bedarf stetiger Aus- und Weiterbildung hinsichtlich neuer Rechnungslegungsstandards (IFRS 9, IFRS 15, Leasing). Briefe und Faxe werden nicht mehr geschrieben, sondern E-Mail, Messaging oder Chat sind die präferierten Kommunikationsmedien. Wer sich dessen verschließt bleibt (kommunikativ) auf der Strecke. In MS Excel reicht es nicht mehr aus, die üblichen Summen- und Grundfunktionen zu kennen, sondern ein bisschen Visual Basic Programmierung sollte schon dabei sein. Und die Beherrschung der üblichen ERP- und Konsolidierungsprogramme ist für den heutigen Rechnungswesenmitarbeiter ohnehin zwingend erforderlich, um überhaupt seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Entsprechende (Eigen-)Initiative ist auch hier, wie im unternehmerischen Bereich, zwingend erforderlich. Die Hoffnung, in den neuen Themen durch die Firma/den Chef weitergebildet zu werden bzw. durch diese zur Weiterbildung „geschickt“ zu werden (furchtbares, aber durchaus gängiges wording im Übrigen), mag sich als trügerisch erweisen, zumal man als Mitarbeiter lieber selbst- als fremdbestimmt sein möchte.

Diesen Willen oder dieses Bedürfnis zur Änderung kann jedoch auch unterschiedlichen Charakterzügen zugeordnet werden. Der Jäger ist immer auf der Suche nach Neuem, er sucht die Herausforderung, jagt das scheue Reh und liegt auf der Lauer für eine sich bietende, attraktive Gelegenheit. Bestehende, stabile Strukturen und Prozesse langweilen ihn schnell. Wiederkehrende Tätigkeiten ohne Abwechslung werden eher belastend als entspannend  empfunden. Die Arbeit im Kleinen und die kleinteiligen Details der täglichen Arbeiten sind nicht sein Ding. Diesen Menschentypus trifft man sehr häufig in der Unternehmensberatung, da es auch hier gilt, immer neue, meist spannende Themenstellungen anzugehen und bestehendes in Frage zu stellen. Allerdings hat der Jägersmann dann seine Probleme, wenn es um die Betreuung von laufenden Themen geht oder die Optimierung im eher granularen Bereich. Hier fehlt der Kick und es bedarf eines anderen Charakters. Hier kommt dann eher der Sammler ins Spiel. Er braucht nicht zwingend das Adrenalin des Neuen und die Action durch sich stetig ändernde moving targets. Sein Thema ist die Betreuung von laufenden Aktivitäten, die Optimierung von bereits bestehenden Strukturen und Prozessen und deren stetige Weiterentwicklung. Als Vorgesetzter besteht bei beiden (Extrem-)Ausprägungen die Herausforderung, diese entsprechend ihrer Stärken einzusetzen. Gelingt das nicht, so führt dies schnell zu Frustration auf Mitarbeiter- und Vorgesetztenseite und im schlimmsten Fall zu einem Personalwechsel.

In diesem Sinne, überlegen Sie sich welcher Typus von Mitarbeiter Sie bzw. Ihre Mitarbeiter sind und nutzen Sie Ihre Stärken bzw. setzen Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend Ihren Stärken ein

Bis bald

Ihr

Ingo Weber