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IFRS 9 – Ergebnis- und Eigenkapitalvolatilität

Financial Services -

Das Jahr 2018 und somit das Zeitalter von IFRS 9 hat begonnen. Während die meisten Institute noch ihr Augenmerk auf die erfolgreiche Erstanwendung oder schon auf den Stresstest lenken, bleibt ein weiteres wichtiges Thema derzeit sowohl von der Aufsicht, als auch von den Instituten selbst eher stiefmütterlich behandelt: Die Frage nach der Ergebnis- und Eigenkapitalvolatilität. Zwar haben die meisten Institute und auch die EBA sich mit der Frage beschäftigt, wie die Erstanwendungseffekte aus IFRS aussehen (und sich hierbei auf die Effekte aus dem Impairment konzentriert), aber nur in geringem Umfang mit der Eigenkapital- und Ergebnissensitivität unter IFRS 9. Von den niedrigen Erstanwendungseffekten (laut EBA Impact Studie vom letzten Jahr) wird erwartet, dass die CET1 Kapitalquote im Durchschnitt nur um 0,45 % und für die meisten Institute nicht mehr als 0,75 % sinkt. Wie diese Werte jedoch in einem anderen Umfeld aussehen würden, haben dabei die wenigsten betrachtet. 

Grundsätzlich kommen für Volatilität zwei Gründe in Frage: 

  • Eine Schwankung der Marktzinssätze. Diese wirkt sich zwar nur auf die zum Marktwert bilanzierten Finanzinstrumente aus, aber diese machen laut EBA Impact Studie im Durchschnitt gut 24 % der finanziellen Vermögenswerte aus (bei einigen Instituten kann die Quote jedoch auch bei über 50 % liegen). Das aktuelle Zinsniveau hingegen lässt wenig Fantasie für eine weitere Reduzierung und damit einen Anstieg der Marktwerte. Ein grundsätzlich wünschenswerter Anstieg des Zinsniveaus hingegen würde zu einer erfolgswirksamen bzw. erfolgsneutralen Reduktion dieser Marktwerte führen. Laut EBA Impact Studie wird hier im Durchschnitt ein Effekt von 4 Basispunkten auf die Kernkapitalquote erwartet. Ein Anheben des Marktzinses um 25 Basispunkte hätte bei einer fünfjährigen Zinsbindung jedoch bereits einen Wertverlust von über 115 Basispunkten zur Folge und dies wiederum bei einer angenommenen CET1 Ausgangsquote von 8 % eine Reduktion um 26 Basispunkte. Der Erstanwendungseffekt wird also durch den möglichen Volatilitätseffekt deutlich überkompensiert. 

    Für die wirtschaftliche Kompensation dieser Schwankungen sind Risikomanagement und Treasury zuständig und die bilanzielle Abbildung erfolgt über das Hedge Accounting. Da hier relativ geringe Verschiebungen in der Kategorisierung (im Durchschnitt 1 % in der Spitze jedoch bis zu 8 %) erwartet wurden, sollten die bekannten Ansätze auch weiterhin funktionieren. Jedoch ist eine Feinjustierung auf die IFRS 9 induzierten Veränderungen notwendig. Zum anderen zeigt die Erfahrung, dass auch unter IAS 39 im Umfeld des Hedge Accountings bei vielen Banken Optimierungspotential bestand. Unabhängig vom Anpassungs- und Optimierungsbedarf liefert sowohl die ökonomische Praxis, als auch die Bilanzierung etablierte Mittel zur Mitigation. Sie müssen nur richtig angewendet werden.
  • Eine Schwankung im Expected Loss. Eine Veränderung des erwarteten Verlusts wirkt sich auf alle finanziellen Forderungen unabhängig von der Kategorisierung aus. So sind die durchschnittlich 76 % zu Amortized Cost klassifizierten finanziellen Vermögenswerte im Rahmen des Impairment Modells von Schwankungen im Expected Loss betroffen. Die rund 8 % Fair Value through OCI Assets sind sowohl vom Impairment Modell, als auch von der allgemeinen Marktbewertung betroffen und bei den verbleibenden 16 % Fair Value through Profit and Loss Vermögenswerten greift zwar das Impairment Modell nicht, aber im Rahmen der allgemeinen Marktwertbewertung schlägt sich auch hier eine Veränderung des Expected Losses durch. Dabei sollte jedoch – gerade für Deutschland – beachtet werden, dass wir uns derzeit in einem konjunkturellen Hoch befinden und somit tendenziell in der Zukunft mit höheren Expected Losses gerechnet werden muss. Inwiefern dies durch die Forward Looking Information schon in den Modellen vollständig berücksichtigt wurde, bleibt abzuwarten.

    Im Gegensatz zu den marktzinsinduzierten Wertänderungen sind die Expected Loss induzierten Änderungen jedoch grundsätzlich neu im IFRS Abschluss. Lediglich die bereits vorher zum Marktwert bilanzierten Vermögenswerte waren hiervon betroffen. Laut EBA Impact Studie wurde hier ein Effekt von durchschnittlich 13 % erwartet. Erfahrungen aus den Umsetzungsprojekten zeigen jedoch gerade hier, dass diese Effekte zum Teil den echten Effekt aus der Umstellung von Incurred Loss auf das Expected Loss Verfahren mit Effekten aus der Reklassifizierung und der allgemeinen – oft bereits unter IAS 39 zulässigen – Optimierung vermischen

    Unabhängig vom Erstanwendungseffekt stellt sich auch hier die Frage wie die Effekte aus zukünftigen Schwankungen aussehen und wie hiermit bilanziell umgegangen werden kann. Bei einer LGD von 40 % und einer Ausgangs-CET1 Ratio von 8 % würde eine Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit um 100 Basispunkte bei gleichen Risikogewichten zu einer Reduktion der Kapitalquote von 28 Basispunkten führen (gerechnet auf einen 1- Jahres Expected Loss). Bei einem Stufentransfer und entsprechend langen Laufzeiten vergrößert sich dieser Effekt entsprechend. Ein erstes Gefühl für die mögliche Volatilität aus dem Expected Loss Ansatz wird im Rahmen des Stresstests bzw. der Veröffentlichung der Ergebnisse publik werden. Es macht jedoch grundsätzlich für alle Institute Sinn, sich frühzeitig Gedanken über die laufende Messung der Volatilität und Sensitivität zu machen.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass mit IFRS 9 die potentielle Eigenkapitalvolatilität steigen wird. Neben der bereits heute gegebenen Verknüpfung zwischen aufsichtsrechtlicher Messung und der Bilanzierung sollte die ökonomische Steuerung und zukunftsorientierte Betrachtung von Sensitivitäten ausgebaut werden und in einen integrierten Bilanzsteuerungsprozess einbezogen werden. Im weitreichenden Fall kann ein Integriertes Modell zur bilanziellen und aufsichtsrechtlichen Auswirkungen aus Volatilität und Sensitivität auch als Entscheidungshilfe herangezogen werden, wenn es darum geht ob und zu welchen Konditionen zukünftig neue Geschäfte bzw. Produkte abgeschlossen werden dürfen. Immer dann, wenn die Erträge auch die erwarteten zusätzlichen Kapitalkosten aus erwarteten Volatilität decken, erscheint ein Geschäft wirtschaftlich.