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IFRS 17 Versicherungsverträge – Exposure Draft enthält Verbesserungsvorschläge als Folge von Erfahrungen bei der bisherigen Umsetzung

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Am 04.06.2019 hat das IASB den Exposure Draft „Amendments to IFRS 17“ veröffentlicht. IFRS 17 ersetzt für die Bilanzierung und Bewertung von Versicherungsverträgen zukünftig IFRS 4, der als Interimsstandard explizit die Anwendung unterschiedlicher nationaler Rechnungslegungsmethoden vorsieht und somit im Widerspruch zur übergeordneten Zielsetzung international vergleichbarer Abschlüsse steht.

Das langjährige Projekt des IASB zur Veröffentlichung eines Standards mit detaillierten, einheitlich anzuwendenden Vorschriften zu Ansatz, Bewertung, Ausweis und Angaben von Versicherungs- und Rückversicherungsverträgen befindet sich auf der Zielgeraden. Die Implementierungsbemühungen der betroffenen Unternehmen werden – wie bei vielen neu entwickelten IFRS – von einer Transition Resource Group (TRG) als Bindeglied zwischen den betroffenen Anwendern und dem IASB begleitet. Der ED basiert auf den Erkenntnissen aus der bisherigen Implementierung des IFRS 17. Neben kleineren Anpassungen sind u.a. folgende Verbesserungsvorschläge enthalten:

Kreditkartenverträge ohne individuelle Risikoprüfung für enthaltene Versicherungsleistungen sollen nicht mehr in den Anwendungsbereich des IFRS 17 fallen.
Für Darlehen, die in den Anwendungsbereich des IFRS 17 fallen und bei denen die enthaltene Versicherungsleistung auf die Rückführung der Restschuld beschränkt ist, soll ein Wahlrecht zur Anwendung des IFRS 17 oder des IFRS 9 eingeführt werden.

Akquisitionskosten können auch auf Versicherungsverträge entfallen, die zum Bewertungsstichtag noch nicht bilanzwirksam geworden sind. Werden die anteiligen Akquisitionskosten nicht direkt erfolgswirksam erfasst, so sind sie als Vermögensgegenstand bilanziell zu erfassen. Zum Ende einer Berichtsperiode ist die Werthaltigkeit dieser Vermögensgegenstände zu beurteilen; ggfs. sind Wertberichtigungen zu bilden.

Erfasst ein Unternehmen beim erstmaligen Ansatz Verluste aus belastenden Versicherungsverträgen, so sieht der ED vor, dass bei vorhandenen proportionalen Rückversicherungsverträgen zeitgleich der anteilige Ertrag aus der Rückversicherung erfolgswirksam ausgewiesen wird.

Für Versicherungsverträge mit zusätzlicher Investmentkomponente soll auch der auf die Investmentkomponente entfallende Teil der vertraglichen Servicemarge über die Laufzeit verteilt werden. Neben Derivaten sollen  als Instrumente der „Risk mitigation strategy“ zulässig sein.

Der Ausweis von Versicherungsverträgen soll vereinfacht nach Portfolios und somit potentiell in größeren Einheiten erfolgen. IFRS 17 sieht bisher den Ausweis in Gruppen von Versicherungsverträgen vor.

Der Zeitpunkt der Erstanwendung des IFRS 17 soll um ein Jahr auf den 01.01.2022 verschoben werden; die verbindliche Erstanwendung des IFRS 9 für Versicherungsunternehmen wird folgerichtig ebenfalls auf diesen Zeitpunkt festgelegt.

Für den ED galt eine verkürzte Kommentierungsfrist bis zum 25.09.2019. Auf Basis der Rückmeldungen entscheidet das IASB, ob die vorgeschlagenen Änderungen weiterverfolgt werden. Die Veröffentlichung verbindlicher Anpassungen ist bis zur Jahresmitte 2020 beabsichtigt.

Autor: Werner Walmrath