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IFRS 16 bei Kreditinstituten

Financial Services -

IFRS 16 ist wahrscheinlich einer der wenigen Standards mit einer längeren Entwicklungsphase als der IFRS 9: Im Juli 2006 wurde das Thema Leasing ins Arbeitsprogramm des IASB aufgenommen und über die kommenden Jahre verschiedene Diskussionspapiere, Entwürfe und Stellungnahmen veröffentlicht. Im Januar 2016 erfolgte dann endlich die Veröffentlichung eines finalen Standards, der ab dem 01.01.2019 verpflichtend anzuwenden sein wird und somit den bestehenden IAS 17 ersetzt.

Kreditinstitute sind in der Regel auf drei mögliche Arten vom Thema Leasing betroffen:

  • durch Finanzierung von Kunden mittels Leasing – entweder direkt oder oft durch Leasing-Töchter,
  • durch den Ankauf oder die besicherte Refinanzierung von Leasingforderungen und
  • durch das eigene Leasing von Vermögenswerten für den operativen Einsatz.

Hinsichtlich des Ankaufs bzw. der Finanzierung von Leasingforderungen ergeben sich nach IFRS 16 keine eigenständigen Themen, da diese Sachverhalte entweder nicht in den Anwendungsbereich fallen und als besicherte Forderungen eher IFRS 9 relevant sind oder kein Unterschied besteht, ob die Leasingforderung originär eingegangen wurde oder die Bank nachträglich die Rolle des Leasinggebers eingenommen hat und somit der erste Fall greift.

Im Fall der Finanzierung von Kunden mittels Leasing liegen die Neuerungen eher in Details bzw. in erweiterten Anhangangaben. Auch aus dem Zusammenspiel zwischen IFRS 15 und IFRS 16 können sich ggf. Detailänderungen zur Ist-Situation ergeben. Im Wesentlichen beobachten wir jedoch, dass sich Leasinggeber mit den Vorschriften des IFRS 16 beschäftigen, um ihren Kunden gegenüber auskunftsfähig zu sein und um die entsprechenden Auswirkungen im Rahmen der Produktgestaltung zu berücksichtigen.

Somit bleibt die Frage: Welche Auswirkungen haben die Änderungen auf die eigenen geleasten Vermögenswerte? Der neue IFRS 16 sieht im Wesentlichen vor, dass auf Seiten des Leasingnehmers nicht mehr zwischen Finance und Operate Lease unterschieden wird. Somit ist in der Regel immer ein Nutzungsrecht am Leasinggut zu aktivieren und eine entsprechende Verbindlichkeit zu passivieren. Vereinfachungswahlrechte bestehen für geringwertige Leasinggüter und Leasingverträge mit kurzer Laufzeit. Für Leasingnehmer allgemein bedeutet dies, dass sich die Bilanzsumme verlängert und sich Verschiebungen in den Ergebnisarten ergeben. Umfang und Bedeutung des IFRS 16 Projekts sind somit wesentlich dadurch dominiert wie viele Leasingvereinbarungen vorliegen und welchen bilanziellen Effekt diese ausmachen.

Gerade für letzteren Effekt stand bei Banken länger die Frage im Raum, ob und welche regulatorischen Wechselwirkungen sich ergeben. So war lange die Frage, ob das zu bilanzierende Right of Use ein materieller oder immaterieller Vermögenswert ist. Bei einem immateriellen Vermögenswert hätte sich ohne Sonderregeln durch den aufsichtsrechtlichen Abzug von immateriellen Vermögenswerten vom harten Kernkapital eine entsprechende Belastung der Kapitalquoten ergeben. Da das IASB sich inzwischen dazu geäußert hat, dass das Righ of Use für materielle Vermögenswerte auch einen materiellen Charakter hat und die EBA im Schreiben an das EFRAG vom Januar dieses Jahres diese Sichtweise geteilt hat, sollte diese Gefahr für das Kernkapital gebannt sein.

Da die Auswirkungen auf die Bilanzsumme aus der reinen Umstellung auch bei leasingintensiven Filialbanken in der Regel unter einem Prozent der Bilanzsumme liegen sollten, stellt sich die Frage, ob aus Wesentlichkeitsgründen überhaupt Maßnahmen notwendig sind. Zum einen ist zu beachten, dass neben dem zusätzlichen bisherigen Operate Leasing natürlich auch die bestehenden Finance Leases unter die Regeln fallen und zum anderen zumindest bei den Kreditinstituten der Tenor von Prüfungsseite ist, dass ein vollständiges Ignorieren der Standardänderung nicht in Frage kommt.

Für die Abbildung ist dann einerseits zu prüfen welche Vereinfachungen über die vom Standard vorgesehenen ggf. aus Wesentlichkeitsgründen trotzdem gewählt werden können (z. B. keine Aktivierung Fahrzeuge, Zusammenfassen mehrere Verträge zu einem Sammelvertrag etc.). Anderseits ist zu prüfen, wie die Abbildung technisch erfolgen soll. Hier kommt von einer manuellen EDV-Lösung (gemeinhin Excel) über eine Abbildung des Right of Use in der Anlagenbuchhaltung und der Verbindlichkeit im Darlehenssystem bis zur Einführung eines Nebenbuchs „Leasing“ alles in Frage.

Die FAS AG verfügt mit der LeaseBOX über ein Tool für eine umfangreiche Leasingnebenbuchhaltung, das für IAS 17 Finance Leases bereits seit Jahren im Einsatz ist und sich auch für Impact Analysen zur Unterstützung von Entscheidungen zu Wesentlichkeiten und Wahlrechten eignet. Darüber hinaus unterstützen wir natürlich wie gewohnt bei allen Fachfragen rund um IFRS 16 und auch bei LeaseBOX-unabhängigen Umsetzungsprojekten – kontaktieren Sie uns bei offenen Fragen gerne!

Ansprechpartner
 Andreas Huthmann Partner