Kontakt

I want my money back!

Blog -

Es ist schlimm diese Woche. Ganze fünf Tage am Stück arbeiten. Kaum erträglich ;) Aber im Ernst, diese Woche ist die einzige (!) Woche im Mai mit fünf Arbeitstagen, die restlichen Wochen haben vier bzw. mit Brückentagen nur drei Arbeitstage. Die zahllosen Mai-Feiertage machen es möglich. Gleichwohl durch den unerträglichen Umstand, dass der 1. Mai („Tag der Arbeit“) dieses Jahr auf einen Sonntag fiel, doch ernsthaft Diskussionen aufkamen, das in anderen Ländern übliche Modell zu nutzen, statt des Sonntags den Feiertag auf den nächsten Arbeitsmontag zu legen. Leider wurde dabei vergessen, dass wir in Deutschland ohnehin schon international führend sind was die Anzahl der Feiertage betrifft….

Anyway…diese Woche wird also vollständig zum Arbeiten genutzt, from dawn till dusk sozusagen, was mich dann am Mittwoch zum GSK Breakfast Briefing mit dem Fokusthema „Brexit“ führte.

Brex – what? Brexit, der Austritt der Briten aus der EU.

Allgemein bekannt ist, dass die Briten mit der Europäischen Union nicht ganz glücklich sind, insbesondere beanspruchen sie zahlreiche sogenannte Opt-Outs wie beispielsweise vom Schengen-Abkommen, der EU-Grundrechtecharta oder dem sogenannten Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Schon der Eintritt in die damalige EWG 1973 war umstritten und berühmt wurde die damalige Premierministerin Maggie Thatcher mit ihrer Forderung nach einer Reduzierung der Beiträge zur EU: „I want my money back!“.

Im Rahmen der Kampagne zu seiner Wiederwahl hat nun der aktuelle britische Premier David Cameron versprochen, ein Referendum zum EU-Verbleib abzuhalten – am 23. Juni 2016 ist jetzt Showtime! Aktuell stehen die Schätzungen ca. 50:50 – es wird also knapp.

Sollte es tatsächlich zu einem Votum gegen die EU kommen, muss eine Mitteilung der Austrittsabsicht an den Rat der EU erfolgen. Hierauf erfolgt dann entweder ein Austrittsabkommen oder der Austritt kommt automatisch zwei Jahre nach der Mitteilung.

Was wären nun die Folgen?

Den Vorteilen aus britischer Sicht – insbesondere mehr Souveränität und weniger Bürokratie –  stehen gewichtige Nachteile gegenüber. So würden unter anderem neue Steuern und Zölle zwischen der EU und dem UK entstehen mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die britische Wirtschaft. Eine Abwanderung der Banker aus der Londoner City würde drohen, was wiederum zu Arbeitsplatzverlusten, Steuerausfällen und Kapitalflucht führen könnte. Weiter könnte eine potentielle Abspaltung von Schottland und Wales (wieder) im Raum stehen. Großbritannien kommt in die Gefahr nur noch Britannien zu sein.

Aber auch für die gesamte Europäische Union hätte es negative Folgen. Je kleiner die Union, desto bedeutungsloser und desto weniger innereuropäischer Handel findet statt. Das Projekt der europäischen Integration wäre nachhaltig beschädigt und ein wirtschaftsfreundliches, liberales Mitglied fällt weg. Last but not least zum Thema Geld: Der viertgrößte Beitragszahler entfällt – und wer die EU kennt, weiß, dass dies nicht durch Ausgabenkürzungen, sondern höhere Umlage auf die anderen Mitglieder, allen voran Deutschland, kompensiert wird. Will man etwas Positives für Deutschland daraus ziehen, dann könnte man sich – abgesehen von den zukünftig ausbleibenden britischen Querschüssen – allenfalls darüber freuen, dass mehr Geschäft von der Themse an den Main, sprich Frankfurt, verlegt wird – mit regionalen positiven Folgen (der ein oder andere Barbesitzer reibt sich die Hände, ebenso die Immobilienbranche).

Und was wären die Folgen für die Unternehmen? Generell ist wirtschaftliche Unsicherheit bzw. ein Rückgang der wirtschaftlichen Tätigkeit für die meisten Unternehmen schädlich und führt zu Umsatzeinbußen. Aber auch im Detail wird es aufwändig. So müssen unter anderem die Geschäftsbeziehungen mit Kunden und Lieferanten im UK gegebenenfalls auf neue vertragliche Beine gestellt werden, Zölle und Steuern zwingen zu einer Neukalkulation der Preise und die Einschränkung der Freizügigkeit hindert die Logistik. Dies mag bei Industrieunternehmen noch handhabbar sein, für den Finanzsektor wäre es eine große Herausforderung. Anwälte und Berater dürfen sich jedenfalls in diesem Punkt darüber freuen.

In diesem Sinne, beobachten Sie die Brexit-Entwicklung genau und analysieren Sie rechtzeitig die Auswirkungen auf Ihre Geschäftstätigkeit, insbesondere wenn Sie in der Finanzbranche tätig sind!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber