Kontakt

Husch, husch...

Blog -

…oder warum Nachdenken grundsätzlich unschädlich ist.

Was gibt es besseres, als den Tag mit einem Zitat von John Davidson Rockefeller zu starten? Rockefeller (1839 - 1937) war ein US-amerikanischer Bankier und Unternehmer. Er gründete 1870 die Standard Oil Co. of Ohio und 1882 den Standard Oil Trust, der 95% des Raffineriegeschäftes der USA kontrollierte. Von ihm stammt der berühmte Satz: „Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten.“. Offensichtlich war er mit dieser Vorgehensweise nicht ganz unerfolgreich (eine doppelte Verneinung, wie es sie wohl nur in der deutschen Sprache geben kann ;).

Aber gleichzeitig ist die Aussage nur bezogen auf Geld doch deutlich zu eng gefasst. Es ist nämlich generell sinnvoll, im Leben erst einmal darüber nachzudenken, was und wie etwas zu tun ist, anstatt sich sofort an die – in diesem Falle zwangsläufig planlose – Arbeit bzw. Ausführung zu machen. Dies gilt im Übrigen sowohl für das Berufs- als auch für das Privatleben. Insbesondere im Job, und hier nochmals ganz wichtig für die Tätigkeit des Beraters, gibt es gute Gründe warum komplexe Aufgabenstellungen („Projekte“) in Phasen und Bestandteile aufgeteilt werden. Der Start ist die Analysephase: Wie ist die Ausgangssituation und was sind überhaupt die konkreten Herausforderungen. Dem schließt sich die Planungsphase an, dass heißt wie ist die Thematik in den Dimensionen Maßnahmen, Zeit und Budget anzugehen. In der Konzeptionsphase wird dann sauber dargelegt, wie die zukünftige Lösung auszusehen hat und erst dann erfolgt die konkrete Bearbeitung und Implementierung in der Umsetzungsphase. Der guten Ordnung halber sei noch erwähnt, dass auch ein Projektabschluss zwingend sein sollte – die Dokumentation und nachhaltige Verankerung lässt grüßen.

Natürlich erfordern nicht alle Aufgabenstellungen im Job und der Freizeit eine solche stringente Vorgehensweise. Aber selbst beim Eiskauf machen wir uns doch meistens – zugegebener Maßen implizit – Gedanken darüber welche Eisdiele es sein sollte (man beachte die Dimensionen Kosten, Qualität und Zeit!), welche Eissorte, mit Waffel oder im Becher, mitnehmen oder hinsetzen... So haben Sie das noch nie gesehen? Ist aber wohl häufig so. Denken Sie mal bei der nächsten Kugel Schokoeis darüber nach…(mit Sahne oder ohne?).

…was mich zum Thema „Pragmatismus“ führt. Laut Wikipedia: „Der Ausdruck Pragmatismus (von griechisch ?????? pragma „Handlung“, „Sache“) bezeichnet umgangssprachlich ein Verhalten, das sich nach bekannten, praktischen Gegebenheiten richtet, wodurch das praktische Handeln über die theoretische Vernunft gestellt wird. Im Pragmatismus bemisst sich die Wahrheit einer Theorie an ihrem praktischen Erfolg, weshalb pragmatisches Handeln nicht an unveränderliche Prinzipien gebunden ist.“. Pragmatismus bedeutet also eben nicht schnell, schnell etwas angehen, um möglichst irgendetwas zu tun. Auch Pragmatismus erlaubt es durchaus, darüber nachzudenken bzw. zu analysieren, was denn zu tun ist. Er stellt aber das Ergebnis, die praktischen Konsequenzen und Wirkungen in den Vordergrund und ist ebenfalls eine philosophische Denkrichtung (was im Übrigen insbesondere für ein Nachdenken und Hinterfragen spricht). Nicht das theoretisch Richtige ist die Lösung, sondern die Handlung, die in der Praxis zum besten Ergebnis führt. Beachten Sie dies, wenn zukünftig etwas „pragmatisch“ gelöst werden soll. Häufig fehlt es hier nämlich an der sauberen Fundierung einer Entscheidung, die dann zwar zu einer „Lösung“ in der Praxis führen kann, diese aber gegebenenfalls nicht die sinnvollste ist.

In diesem Sinne, erst ausreichend nachdenken, dann aber konsequent loslegen ist im Leben durchaus hilfreich und verhindert das manchmal schmerzhafte Korrigieren von unfundierten Entscheidungen und vorschnellen Handlungen.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber