Kontakt

Geschenktes Geld

Blog -

Er hat es wieder getan! Mario Draghi, gestern in der aktuellen EZB-Entscheidung. „Wir haben keine Sorgen, dass uns die Munition ausgeht.“, so der Chef der Europäischen Zentralbank nach der gestrigen Sitzung, konsistent zu seiner vergangenen – inzwischen schon fast historischen – Aussage „Whatever it takes!“. Getreu diesem Motto handelt er mit dem Ziel, die Inflation anzukurbeln und die Stabilität der Euro-Zone sicherzustellen. Dabei hat er dieses Mal ein sehr starkes Signal gesendet: Der Leitzins (also der Zins, zu dem sich Banken von der Zentralbank Geld leihen können) wurde auf 0 reduziert, für Einlagen bei der EZB (dem Anlegen von Überschüssen bei der Zentralbank) wurde der Strafzins (ist dies nicht ein Paradoxon?) von 0,3% auf 0,4% erhöht, die monatlichen (!) Anleihenkäufe wurden von 60 auf 80 Milliarden Euro erhöht, das Spektrum der Anleihen auch um Unternehmensanleihen erweitert und last but not least, wurde ein Programm zur Ausweitung der Kreditvergabe an Banken zu sehr günstigen Konditionen (TLTRO II) ausgeweitet.

Und wie reagiert der DAX als Stimmungsindikator? Er springt erst begeistert um fast 3% in die Höhe, um dann am Ende mit 2% im Minus zu schließen. Warum diese Stimmungsschwankung? Neben mehreren Ursachen wurde unter anderem begründet, dass dies an Draghis Aussage lag, dass keine weiteren Zinssenkungen folgen sollen.

Leider werden durch die ganzen Maßnahmen keine Probleme gelöst, dafür aber gewaltige neue Gefährdungspotenziale geschaffen. Zum einen werden die Unternehmen auch zukünftig nicht mehr investieren, wenn nicht der Absatz der Produkte ausgeweitet werden kann. Und dies hängt in ganz erheblichem Maße nicht von Europa, sondern vom Gesamtzustand der Weltwirtschaft ab. Diese befindet sich aktuell in einer, sagen wir mal, herausfordernden Phase. Zum anderen, und das ist der viel schlimmere Punkt, führt die Zufuhr von überschüssiger Liquidität zu einer Fehlleitung von Geldern und am Ende zu Spekulationsblasen. Immobilien, Oldtimer, Kunst etc. etc. zeigen hier schon in welche Richtung es geht. Eigentlich verwunderlich, dass die EZB immer lediglich auf die Konsumpreisinflation schaut und nicht auf die Vermögenspreise. Hier ließe sich sicherlich manche Übertreibung frühzeitig erkennen und vermeiden. Des Weiteren ergibt sich durch die Zentralbankpolitik eine weitere Vermögenskonzentration in den einzelnen Ländern, aber auch zwischen den Staaten. Wer aktuell Vermögen oder entsprechende Einkünfte besitzt, kann sich relativ problemlos weiteres Geld besorgen und damit sein Vermögen weiter mehren – sinnvolle Mittelverwendung natürlich vorausgesetzt. Und diejenigen, die keine Darlehen bekommen? Die haben im Zweifelsfall Pech gehabt bzw. müssen am Ende noch die Zeche dafür zahlen z. B. durch höhere Mieten auf Grund der Immobilienpreisspekulationen. Last but not least, hat die ganze Politik auch eine psychologische bzw. moralische Folge: Es lohnt sich aktuell nicht mehr Geld anzulegen, da ich ja keine Zinsen mehr dafür bekomme. Also gebe ich es lieber aus. Okay, ja, ist ja auch das Ziel der Zentralbank den Konsum anzukurbeln. Aber wie war das nochmal mit der privaten Altersvorsorge? Oder mit dem Notfallgroschen? Geld verliert seinen Wert, noch schlimmer, Geld besitzen wird bestraft.

In diesem Sinne, lassen Sie sich durch die Politik des geschenkten Geldes nicht verführen, aber nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich für Sie daraus ergeben.

Bis bald

Ihr

Ingo Weber