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Geile Typen und heiße Feger

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Die Arbeitswoche nähert sich dem Ende und das Wochenende steht vor der Tür. Für diejenigen, die ungebunden sind, die Tage der Woche, um neue Leute kennenzulernen und vielleicht den Traummann oder die Traumfrau zu treffen, zum Beispiel in Bars oder Clubs. Man sieht eine Person, findet diese sympathisch und kommt ins Gespräch. Die umgekehrte Reihenfolge ist doch eher selten. Und dann? Die Enttäuschung ist groß, unangenehmer Geruch, seltsame Hobbies (Schlangenzucht oder so), keine Tischmanieren oder einfach ein unterschiedliches - nennen wir es mal - intellektuelles Niveau. Wir sind ein Opfer des Sympathie-Kompetenz-Effektes geworden, will heißen, wir schließen - kurz gesprochen - aus dem Aussehen oder der Sympathie auf die Kompetenz einer Person.

Der sogenannte Sympathie- und Kompetenz-Effekt-Check wurde 2003 von Andreas Köhler entwickelt. Er basiert auf der Wirkung von Beobachtungs-, Beurteilungs- und Wahrnehmungsfehlern, divergierenden Entscheider-Motiven und Übereinstimmung bei Schlüsselreizen. Köhler fand dabei heraus, dass bei Bewerbungsfotos zum einen die Einschätzung und die Wahrnehmung von Bewerber und Empfänger stark voneinander abwichen, zum anderen, dass sich sogenannte Wahrnehmungsbündelungen bei bestimmten Personengruppen ergaben. Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass sich die Wahrnehmung auch bei kleinsten Nuancen wie Mimik, Gestik oder Kleidung teilweise extrem verändert. Last but not least wurde nachgewiesen, dass eine kleine, bewusste und zeitlich längere Fotoauswahl zu einem anderen Entscheidungsergebnis führt wie eine schnelle Bewertung einer umfangreichen Fotoserie.

In allen Fällen wurden aus den Fotos Rückschlüsse im Schwerpunkt auf Sympathie und Kompetenz der Personen gezogen. Dieser erste Eindruck („primacy effect“) war nachhaltig. Negativeindrücke waren durch persönliche Kontakte nicht mehr umkehrbar, wohingegen positive Eindrücke nur bei stärksten Abweichungen revidiert wurden. Allerdings: Beim Verstoß gegen den sogenannten Authentizitäts-Effekt in erheblichem Maße - wenn sich also ergab, dass die Person gar nicht die Person war, die sie vorgab zu sein - dann war die Enttäuschung umso größer.

In eine ähnliche Richtung gehen die Feststellungen von Amy Cuddy von der Harvard Business School. Sie fand heraus, dass wir bei Menschen instinktiv auf zwei Faktoren achten: Können wir diesen vertrauen (Sozialverhalten und Sympathie) und können wir diese respektieren (Kompetenz). Soweit so gut, könnte man meinen, dann ist Kompetenz ja genauso hoch geschätzt wie Sympathie. Doch hier die Enttäuschung: Unbewusst ist das Vertrauen deutlich wichtiger als Kompetenz. Abgeleitet wird das aus der Evolution. Platt gesprochen ist es wichtiger, dass man jemanden in der Höhle vertraute, dass er einem im Schlaf nicht erschlägt, als dass er sich am nächsten Tag möglichst geschickt bei der Mammutjagd anstellt.

Die vorstehenden Erkenntnisse sind natürlich privat sehr spannend (und machen Sie doch gleich heute Abend mal das Experiment mit sich selbst oder Ihren Freunden), aber insbesondere auch im beruflichen Umfeld. Wer fällt Ihnen denn ein, bei dem Sympathie und Kompetenz vielleicht auseinanderlaufen oder aber auch, bei welchem Sympathie und Kompetenz gleichlaufen.

In diesem Sinne, lassen Sie sich privat und beruflich nicht vom Sympathie- und Kompetenz-Effekt hintergehen oder seien Sie sich zumindest der Auswirkungen dieses psychologischen Kniffes bewusst.

Ihr

Ingo Weber