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Gebt den Kindern das Kommando!

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So sang schon Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Kinder an die Macht!“. 

Nein, dies ist jetzt kein Beitrag zu Fridays for Future. Dennoch soll er die Frage aufwerfen, ob die Jugend oder die jüngeren Kollegen manchmal vielleicht doch unterschätzt werden.

Wissenschaftler um den Managementprofessor Chad H. Van Iddekings von der Florida State University haben 81 Studien analysiert, um zu untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen der (relevanten) Berufserfahrung eines Mitarbeiters und den Ergebnissen seiner Arbeit bei einem neuen Unternehmen gibt. Ihre spontane Antwort? Ja, natürlich! Erfahrung zahlt sich aus (was sie im Übrigen vermutlich rein pekuniär für den Mitarbeiter auch macht). Aber die überraschende Erkenntnis der Wissenschaftler: Es gibt keine signifikante Korrelation zwischen Erfahrung und Leistung, selbst dann nicht, wenn Aufgaben, Position, Bereiche und Branchen vergleichbar waren.

Das Grundproblem dabei ist, dass vermutlich nahezu jeder – sei es die Personalabteilung oder der Fachbereich – bei einer Bewerbung oder auch Beförderung zuerst auf die relevante Berufserfahrung schaut. Damit fallen hochbegabte oder sehr engagierte Kandidaten jedoch mit wenig oder geringer Erfahrung in den ausgeschriebenen Positionen automatisch durch das Raster und haben gar nicht die Chance, im persönlichen Gespräch zu glänzen.

Bei den Gründen für dieses eher unerwartete Ergebnis tappen die Wissenschaftlicher allerdings noch im Dunkeln. Eine Überlegung ist, dass sich die „relevante“ Erfahrung sehr schwer definieren lässt. Insbesondere sagt die schiere Jahreszahl der Erfahrung nichts über die Qualität der Leistung oder das Verhalten des Bewerbers aus. Und vielleicht wird somit umgekehrt ein Schuh draus. Wenn jemand sehr viel relevante Erfahrung in einer Position hat, warum wurde er dann nicht weiterbefördert? Oder Griff hier schlichtweg das Peter-Prinzip, wonach jeder zur Stufe seiner Inkompetenz befördert wird (da, wäre er für die Stufe kompetent genug, er ja weiterbefördert werden würde)?

Daher gibt es zum einen die Empfehlung der Wissenschaftler, sich bei Lebensläufen nicht so sehr auf die Erfahrung (in Jahren) zu fokussieren, sondern sich stattdessen auf das Wissen, die Fähigkeiten und die Charaktereigenschaften zu konzentrieren. Des Weiteren sollte man sich nicht auf die (Berufs-)Erfahrung fokussieren, sondern auf die Aufgabenebene, die der zukünftigen Aufgabe entspricht. Abschließend wurde auf die zunehmende Bedeutung von Data Anlaytics im Bereich Human Resources verwiesen. Dabei ist der Einsatz der Datenanalyse in den Bereich Finanzen oder Vertrieb schon sehr ausgeprägt, jedoch im HR noch deutlich unterrepräsentiert – der Datenschutz schickt seine Grüße. 

In diesem Sinne, schauen Sie bei Bewerbern und Mitarbeitern nicht nur auf die Anzahl der Jahre der relevanten Berufserfahrung, auch vermeintlich unerfahrene Kandidaten können sich als wahre Perlen in Sachen Wissen und Leistung herauskristallisieren


Ihr 
Ingo Weber

P.S.: Disclaimer: Dieser Blogbeitrag besagt keines Falls, dass grundsätzlich erfahrene/ältere Mitarbeiter, keine bessere Leistungen erbringen können als unerfahrene/jüngere Kollegen!