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European Single Electronic Format – Neue Berichtspflichten am Horizont

Financial Services -

Kurz vor Weihachten – am 18. Dezember 2017 – hat die ESMA den finalen Entwurf für den RTS zum European Single Electronic Format veröffentlicht. Auf Basis dieser Vorgaben müssen Unternehmen, die an einem regulierten EU Markt Eigen- oder Fremdkapital notiert haben, ab 2020 ihre Abschlüsse in elektronischer Form veröffentlichen. Rechtliche Grundlage hierfür ist Artikel 4 (7) der Transparenz Richtlinie. 

Grundvorgabe ist, dass die betroffenen Unternehmen ihre Abschlüsse im XHTML Format veröffentlichen und die einzelnen Abschluss- Bestandteile hierin mittels Inline XBRL markieren. Bei XHTML handelt es sich um ein in Web-Browsern darstellbares Format bei dem der Anwender erweiterte, individuelle Darstellungsmöglichkeiten hat. XBRL ist ein Berichtsformat mit dem einzelne Informationen eine Semantik – eine innere Bedeutung – zugewiesen bekommen und in der Bankenlandschaft bereits von Aufsichtsrechtlichen Meldungen, wie dem FINREP Reporting, bekannt. Das IASB hat mit der IFRS Taxonomie ein XBRL Berichtsformat für die qualitative und quantitative Darstellung von IFRS Abschlüssen definiert. Die gesamte IFRS Taxonomie beinhaltet derzeit über 5.000 Datenfelder. Im Rahmen des ESEF sind, auf Basis dieser Datenfelder, die IFRS Abschlussdaten zum markieren (taggen) und so maschinenlesbar und auswertbar zu machen. Für die sogenannten Primary Financial Statements also Bilanz, Gesamtergebnisrechnung, Cash Flow Rechnung und Eigenkapitalüberleitung, hat eine detaillierte Markierung auf Einzeldatenbasis zu erfolgen. Für die Notes reicht abweichend vom Detaillierungsgrad der IFRS Taxonomie eine Markierung der einzelnen Anhangsblöcke – Einzelfelder müssen nicht, dürfen jedoch auf freiwilliger Basis separat getaggt werden. Des weiteren sind die Angaben für die Notes in zwei Schritten zu machen – der erste Teil ist direkt ab 2020 verpflichtend, der umfassendere zweite Teil erst ab dem Geschäftsjahr 2022.

Was sich nun im ersten Schritt nach einer eher technischen Aufgabenstellung anhört ist auch mit einer Reihe von fachlichen und prozessualen Fragestellungen verbunden:

  • Tagging bzw Mapping der Datenfelder von Konten auf Reportingpositionen: Neben der technischen Umsetzung und dem Taggen des Datenfelds im Abschluss, wird es notwendig sein Mapping- und Ermittlungsregeln zu definieren, um die einzelnen Datenfelder korrekt zu befüllen. Dabei kann es sowohl sein, dass lediglich bestehende Konten auf Positionen gemappt werden müssen, aber auch vorkommen, dass Werte aufgespalten werden müssen da die bisherige Berichtstruktur nicht vollständig der IFRS Taxonomie entspricht. Im wesentlichen sollten durch die Vorgaben des IASB die meisten fachlichen Fragen zum geforderten Inhalt der Datenfelder geklärt sein aber in Detailfragen können hier weiterhin Unklarheiten und Interpretationsspielraum bestehen, der dann durch die Fachabteilung zu lösen ist.
  • Entscheidung, ob weiterhin ein klassischer Abschluss erstellt werden soll: Gerade für Institute, die sich auch mit der IFRS Umstellung bewusst dafür entschieden haben, eine produktorientierte Abschlussstruktur beizubehalten, stellt sich erneut die Frage, ob dies auch zukünftig noch der Fall sein soll und ob man einen PDF bzw. gedruckten Abschluss mit einer abweichenden Struktur weiterhin veröffentlichen möchte. Folge wäre hier ggf. eine weitere Detaillierung im Tagging.
  • Harmonisierung mit anderen Berichten: Bereits heute streben die meisten Institute ein Harmonisierung des regulären Bilanzreportings und des FINREP Reportings an, um Konten zu reduzieren und Abweichungen gering zu halten. Die IFRS Taxonomie auf der das ESEF beruht und die FINREP Taxonomie sind nicht identisch, aber in vielen Bereichen sicherlich ähnlich, so dass sich hier die Frage stellt, inwiefern eine Harmonisierung erreicht werden kann und sowohl in der Pflege, als auch der operativen Erstellung Aufwand reduziert werden kann.
  • Anpassung der Reportingpackages an die Berichtspflichten: Da bei vielen Instituten die Konzerninformationen nicht nur über Kontenzumeldungen, sondern auch über ergänzende Datenblätter und Reporting Packages erfolgt, ist zu prüfen, ob diese ergänzt oder überarbeitet werden müssen, um die neuen externen Berichtspflichten zu erfüllen. Im Sinne einer Befüllungsanleitung sind hierfür natürlich auch die Bilanzierungsrichtlinien anzupassen.
  • Erweiterte interne Nutzung des XBRL Formats für die Zulieferung von Konzerninformationen: Neben der externen Pflicht stellt sich die Frage, ob das neue Format auch bereits in vorgelagerten Ebenen zur einheitlichen Datenübermittlung im Konzern genutzt werden kann und somit Prozesse vereinheitlicht werden können und z. B. die Erstellung von Teilkonzernabschlüssen harmonisiert werden kann.

Ein Projektansatz für die Umsetzung der ESEF Anforderungen umfasst die Auswahl eines geeigneten Softwaretools (teilweise kommen bereits bestehende Tools zur kollaborativen Abschlusserstellung in Frage), die Klärung von fachlichen und prozessualen Implementierungsfragen sowie das Mapping der einzelnen Datenfelder.

Neben der Umsetzung im Bereich Finance für das eigene Reporting stellt sich gerade für Kreditinstitute die Frage, ob und wie sie im Bereich ihrer eigenen Bonitätsanalyse von Kunden die zukünftig erweiterte elektronische Auswertbarkeit von Abschlussdaten nutzen wollen.

Das mit der Umsetzung der aktuellen Vorgaben zum ESEF noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, machen die Schlussworte in der Presseerklärung zum ESEF deutlich. Hiernach soll die ESEF als Referenzpunkt für weitere EU-weite Initiativen zur Transparenz von Unternehmensdaten dienen. Auch eine weitere verpflichtende Detaillierung der Notes Tags wäre aus Analystensicht sicherlich hilfreich und könnte zu einem späteren Zeitpunkt erneut in den Fokus rücken.