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Ein Themenausblick 2020

Financial Services -

Wie eingangs beschrieben hat die Flut an Änderungen in der Regulierung etwas nachgelassen. Nachgelassen heißt jedoch nicht, dass es keine Neuerungen mehr gibt. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Überblick darüber geben, welche Themen unserer Meinung nach gerade aktuell sind und uns in diesem Jahr und gegebenenfalls auch darüber hinaus beschäftigen werden.

Am 28.01.2020 hat das IDW nach einer Reconsultation und einem Fachgespräch im Dezember die finale Version des BFA 7 zur Risikovorsorge von Kreditinstituten im HGB Abschluss veröffentlicht. Die beiden wichtigsten Punkte:

  • Wer nach IFRS 9 seine Risikovorsorge ermittelt soll diese Methodik ebenso wie im Entwurf dargestellt, in den HGB Abschluss übernehmen.
  • Abweichend vom ursprünglich vorgesehenen verpflichtenden Erstanwendungsdatum 01.01.2020 ist dies nun auf das Geschäftsjahr 2020 verschoben. Eine Analyse der sonstigen Unterschiede und unsere Bewertung stellen wir in einem Whitepaper zusammen und lassen Ihnen dieses gerne zukommen. Schicken Sie mir hierzu einfach eine kurze E-Mail.

Am 16.12.2019 wurde die neue ESEF-Taxonomie veröffentlicht, die ab diesem Geschäftsjahr Anwendung findet. Neben der Implementierung und dem Tagging wird uns wohl auch die Frage beschäftigen, wie ein Audit erfolgen kann und wie die Geschäftsleitung, die den Abschluss ja letztlich verantwortet, in die Lage versetzt werden kann, das Tagging nachzuvollziehen.

Nachdem bereits im Spätsommer letzten Jahres die erste Standardanpassung zum Thema Benchmarkreform verabschiedet wurde, wird voraussichtlich im April dieses Jahres die zweite Anpassung erfolgen. Dem Vernehmen nach wird sich das IASB alle Mühe geben, die Seiteneffekte aus der Benchmarkreform so gering wie möglich zu halten und den Erstellungs- und Erklärungsaufwand für die Bilanzierenden einzuschränken. Eine Entwarnung bedeutet dies jedoch nicht, da die entsprechenden Projekte nach wie vor mit einer Vielzahl von Themen im Rahmen der rechtlichen, ökonomischen und operativen Anpassungen zu kämpfen haben und hier weiterhin eine Vielzahl von Fragen zum Übergang auf die verschiedenen Term Rates nicht final geklärt sind. Auch wenn es nicht beabsichtigt ist, würde ich nicht ausschließen, dass sich auch hier noch das ein oder andere Thema für die Bilanzierung ergibt.

Für das Projekt zum Dynamic Risk Management steht nun die Befragung der betroffenen Banken zum vorgeschlagenen Core Model an. Auch wenn ein fertiger Standard damit noch in weiter Ferne liegt, kann ich nur allen Betroffenen raten sich zu beteiligen und einzubringen – das Risiko, dass wir aufgrund von (scheinbarem) Desinteresse oder Ablehnung ohne Alternativen gar keinen neuen Standard bekommen ist noch nicht gebannt. Selbst wenn Sie mit dem aktuell vorgeschlagenen Modell nichts anfangen können - vielleicht wäre ja auch eine Überführung des bestehenden Ansatzes in den IFRS 9 unter Beachtung der im General Modell vorgesehenen Möglichkeiten ein Lösungsansatz?

Im zweiten Halbjahr wird das IASB eine neue Befragung zur Agenda für die kommenden fünf Jahre starten. Bis dahin ist zwar noch etwas Zeit, aber diese sollten wir alle nutzen, um entsprechende Überlegungen anzustellen, welche Themen uns wichtig sind, um diese dann auch zu adressieren.

Neben diesen konkreten Themen aus dem Bereich Bilanzierung wage ich die Voraussage, dass uns zwei weitere Themen hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit im kommenden Jahr beschäftigen werden. Einerseits ist dies die Effizienzfrage sprich, wenn Projekte nicht mehr vom Gesetzgeber vorgegeben werden und der Business Case lautet: „Umsetzen oder Schließen“, müssen Projekte die Effizienz der Berichterstattung und der Steuerung erhöhen, Kosten langfristig reduzieren und die Zukunftsfähigkeit der Bank fördern. Zum Zweiten handelt es sich um die aktuelle Diskussion über die wie auch immer geforderte und geförderte Nachhaltigkeit von Investments. Dies wird gegebenenfalls nicht nur Auswirkungen auf die Anlagepolitik der Banken haben, sondern auch auf ihre Finanzierungsmöglichkeiten. Hier ist zu erwarten, dass erhöhte Anforderungen in Richtung Compliance, IKS und Qualität auch den Finanzbereich treffen werden.