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Die Zukunft bei SAP heißt FIORI?!

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Jahrzehnte lang wurden SAP-Anwendungen eher weniger mit intuitiven und ansprechenden Benutzeroberflächen in Verbindung gebracht. Sprach man von SAP, so kamen (und kommen wohl immer noch) den meisten Anwendern eher eine unübersichtliche und mit Funktionen überladene Softwareoberfläche aus dem gefühlten letzten Jahrtausend oder scheinbar zusammenhangslos entworfene Transaktionskürzel in den Sinn. Doch tatsächlich bietet SAP mit FIORI bereits seit 2013 ein völlig neues Bedienkonzept für seine Softwareprodukte, welches mittlerweile grundsätzlich für alle SAP-Anwendungen zur Verfügung gestellt wird.

Dabei ist FIORI weniger eine Technologie, sondern vielmehr ein Designkonzept, nachdem SAP-Benutzeroberflächen künftig ausschließlich entwickelt werden (sollen). Dieses orientiert sich hierbei stark an dem mittlerweile alltäglich gewordenen Benutzererlebnis von Consumer Apps, wie es die meisten bereits von ihrem Smartphone oder Tablet kennen. Hierdurch wird die Grundlage für eine intuitive User Experience unabhängig des verwendeten Endgeräts geschaffen und ermöglicht zukünftig auch eine einfachere Einbindung mobiler Geräte in SAP Geschäftsprozesse. 
Im Kern besteht das FIORI-Konzept aus fünf Säulen:

  • Rollenbasiert: Der Benutzer hat Zugriff auf genau die Anwendungen, die er benötigt um seine Aufgaben zu erfüllen. Die Anwendungen sind auch genau für diese Aufgaben konzipiert.
  • Reaktionsfähig: Die Anwendung passt sich an das jeweilige Nutzungsszenario (z.B. Endgerät, Browser,…) an. Sie lässt sich also sowohl über ein Smartphone als auch einen Laptop unabhängig von Betriebssystem oder Browser bedienen.
  • Schlüssig: Alle Apps werden in einer zusammenhängenden Struktur entworfen und sprechen dieselbe Sprache, unabhängig von der Umgebung oder Landschaft, in welcher sie implementiert wird. Somit wird eine schlüssige und einheitliche User Experience geschaffen.
  • Sofortiger Nutzen: Die Hürden für eine Einführung sollen möglichst niedrig gehalten werden. Dies gilt sowohl für die systemseitige, als auch die Benutzereinführung.
  • Einfach: Der Anwendungsumfang soll möglichst einfach gehalten werden und sich auf das wirklich Benötigte beschränken.

Eng hiermit verbunden ist auch das sog. 1-1-3-Prinzip. Gemäß diesem soll jede Anwendung genau einen Anwendungsfall (Use Case) für eine spezifische Benutzergruppe in maximal 3 Bildern (Navigationsschritten) abbilden. Mit FIORI Apps können sowohl transaktionale Tätigkeiten (also bspw. Ändern, Anlegen, Anzeigen von Belegen oder Stammdaten), sowie analytische Sachverhalte (Visualisierung von zugrunde liegenden Daten und/oder Sachverhalten in real-time wie bspw. KPI-Dashboards) abgebildet werden. Zudem können mit Hilfe von sog. Fact-Sheets Kontextinformationen und wichtige Fakten zu zentralen Objekten (bspw. Kostenstellen oder Profitcenter) angezeigt und tiefergehend analysiert werden. Alle relevanten Apps sind auf dem FIORI Launchpad (vergleichbar mit einem Startbildschirm oder Homescreen) des jeweiligen Benutzers zusammengefasst und können hierüber aufgerufen werden.

Die technologische Grundlage zur Entwicklung der FIORI Apps bildet SAPUI5, ein Entwicklungsframework basieren auf Webstandards wie HTML5 und JavaScript. Neben den von SAP bereitgestellten Standard-Apps (aktueller Stand 01/2019: ca. 11.000) lassen sich hiermit auch schnell und unkompliziert individuelle Apps entwickeln und dank offener Datenprotokollen (bspw. JSON) sogar Non-SAP-Systeme leicht einbinden.

FIORI ist die erklärte Frontend-Technologie für das neue ERP-System S4/HANA sowie alle zukünftigen Produkte aus dem Hause SAP. Doch auch für die klassische Business Suite lassen sich bereits vielzählige Anwendungsfälle alternativ zur klassischen SAP GUI über FIORI abbilden. Langfristig plant SAP eine komplette Ablösung seiner alten Oberfläche, was ultimativ auch eine Einstellung des Supports dieser bedeuten wird. Noch besteht aber die Möglichkeit FIORI und SAP GUI parallel zu betreiben. Insbesondere altgediente SAP-Anwender wird dies erfreuen, da aus unserer Erfahrung dem ein oder anderen „alten SAP-Hasen“ der Umstieg auf die neue Oberfläche und die Trennung von der Hassliebe SAP GUI doch etwas schwerer fällt. Darüber hinaus lässt die Performance mancher „FIORIs“ auch nach wie vor etwas zu wünschen übrig und erfahrene SAP-Anwender erledigen ihre Aufgaben in der klassischen Umgebung unter Umständen schneller und effizienter. Der Parallelbetrieb ermöglicht aber auch die schrittweise Einführung der neuen Technologie,  sodass je nach Bedarf und Anwendungsfall in agilen und unkomplizierten Projekten nach und nach eine Ablösung der alten Technologie erfolgen kann.

FIORI vereint aktuelle Trends wie mobiles Arbeiten und intuitive User Experience, der Anwender wird in den Mittelpunkt gestellt und ein neuartiges Benutzererlebnis geschaffen. FIORI kann somit einen wichtigen Baustein in der digitalen Transformation vieler Unternehmen bilden. Und vielleicht das Wichtigste: Richtig eingeführt können FIORI Apps dafür sorgen, dass SAP sogar den Anwendern (wieder) Spaß macht!

Ihr 

Frieder Welte