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Der Bundestrainer beim Brexit

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Es gibt so bestimmte Worte, die kann man nach einer gewissen Zeit nicht mehr hören, da sie in jeder Form der Medien und in fast jedem Gespräch früher oder später auftauchen. „Brexit“ gehört vermutlich inzwischen auch dazu. Und nach dem Brexit 1.0 (dem Referendum, nicht dem tatsächlichen Austritt, insofern wäre Brevote vermutlich besser) auch noch der Brexit 2.0, das Ausscheiden der Three Lions, der englischen Nationalmannschaft, aus der Europameisterschaft. Brexit, Brexit, Brexit. Nichtsdestotrotz, wenn Sie meinen Blog lesen wollen, müssen Sie hier noch einmal durch. Wobei, ich kann Sie beruhigen, auch in den nächsten Monaten werden Sie dem Brexit-Wort nicht entkommen können.

Das war ein langes Intro.

Wie ist nun aber der Zusammenhang zwischen dem Brexit und unserem, im Fokus der Coach-Cam stehenden, Bundes-Jogi? Nächsten Samstag gewinnt Deutschland gegen Italien, vermutlich souverän, 7:1 oder mehr – je nachdem ob Müller endlich loslegt oder bis zum Finale wartet. Brasilien lässt grüßen, man beachte die Identität der letzten vier Buchstaben – das kann doch kein Zufall sein! Aber wenn wir nicht gewinnen oder wenn es in dem Spiel nicht so läuft wie wir (Deutschlandfans) uns das vorstellen? Dann werden wir alle ganz schnell zu Bundestrainern, Deutschland ein Land mit 40 Millionen Bundestrainern (und natürlich 40 Millionen Bundestrainerinnen). Ich weiß offen gesprochen nicht, ob es nur ein deutsches Phänomen ist. Die Mutation zum Besserwisser und „Warum ist das nicht anders?“- und „Das ist ja blöd!“-Sagern – ein anstrengendes Klientel. Aber eigentlich ist es ja nicht Besserwissen, sondern Anderswissen, denn es ist häufig nicht sicher, dass wir es wirklich besser wissen, vielmehr sind wir nur der Meinung. Besser machen, das ist das Motto; nicht reden, handeln. Wir erinnern uns alle noch gerne an Rudi Völlers Wutausbruch gegenüber dem Kritiker (und bei Günther Jauch ahnungslosen) Waldemar Hartmann, der mit seinen drei Weißbier im Kopf das Spiel der deutschen Mannschaft bemängelte (im Übrigen ein Remis gegen….Island!).

Und wann kommt jetzt der Brexit? Jetzt. Da schwingen wir Deutschen uns dann gegenüber den Briten (die bald nur noch Waliser und Engländer sind) auf. Wie kann man nur so naiv sein und für einen Euroaustritt stimmen? Die Briten, immer nehmen wollen, nichts geben und dann ihre Sonderlocken bei den Euroverhandlungen. Die werden jetzt schon sehen was sie davon haben, denen zeigen wir’s. Merkel will ganz konsequent sein und lehnt jegliche Rosinenpickerei bei den Austrittsverhandlungen ab. Wobei ich jetzt schon Wetten darauf annehme, dass am Ende wieder eingeknickt wird, um ja die Briten möglichst stark an die EU zu binden (oder gleich drin zu behalten). Und Juncker (haben sie übrigens schon mal Juncker als Suchbegriff bei Google eingegeben?) verweigert es im EU-Parlament Englisch zu sprechen. Dies kindisch zu nennen, wäre fast schon eine Beleidigung für Kinder. Im selben Atemzug will Juncker dann aber TTIP in Europa ohne Einbezug durch die nationalen Parlamente durchsetzen. Nichts kapiert und nichts gelernt.

Aber vielleicht sollte man sich auch mal Gedanken darüber machen, dass weder der Bundestrainer noch die Briten vollkommen ahnungslos sind bei dem was sie tun? Vielleicht haben die Nationaltrainer tatsächlich ein besseres Verständnis für die Sache als die meisten anderen Leute, die meinen sie wären schlauer (die dann aber nicht mal Trainer in der Kreisliga sind). Ein bisschen weniger (deutsche) Arroganz und ein bisschen mehr Demut und Akzeptanz anderer Meinungen würde vielen gut tun.

In diesem Sinne, reflektieren Sie gerne kritisch was andere tun, aber vor allem reflektieren Sie sich auch selbst!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber