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Corporate Performance Management im Wandel

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Mit der Ankündigung, Ende des Jahres 2025 den Mainstream Support für die „Non HANA“ ERP (Enterprise Resource Planning) Systeme einzustellen, löste die SAP SE nicht nur eine große Welle im Bereich ERP, sondern auch für die darauf aufbauenden Corporate Performance Management (CPM) Systeme aus. Diese Entwicklung, verbunden mit den gestiegenen internen und externen Anforderungen an den Finanzbereich und der generellen Digitalisierungsdiskussion, führt bei vielen Unternehmen zu der Erkenntnis, dass man sich im Bereich CPM strategisch neu aufstellen muss.

Darüber hinaus gilt es auch noch, neue Technologien wie Advanced Analytics, Robotic Process Automation (RPA) und Künstliche Intelligenz (KI) zu integrieren.

Neupositionierung der Finanzabteilung

Die Finanzabteilung fungiert mittlerweile als zentraler Informationsversorger für Management-Entscheidungen. Es gilt immer mehr, sich aus der Rolle des Kostenverursacher zu lösen und als Werttreiber zu positionieren. Hierzu sind sowohl intelligente Organisationsdesigns als auch eine zukunftsweisende Prozesseffizienz notwendig. Veränderungen in der Unternehmensstruktur müssen immer schneller in das Ist-Reporting aufgenommen und im Management-Reporting dargestellt werden.

Dabei liegt der Fokus nicht mehr nur auf der klassischen retrospektiven Analyse, sondern es wird immer wichtiger, auch vorwärts gerichtete Informationen ins Berichtswesen einfließen zu lassen. Dies ist nur möglich, wenn alle Finanzsysteme miteinander verzahnt sind und keine Zeit mehr damit verbracht werden muss, Daten manuell zu übertragen, doppelt vorzuhalten und zu kontrollieren. Die Daten müssen vollumfänglich der Accounting-, Controlling- und Steuerabteilung zentralisiert zur Verfügung stehen.

Basierend auf einem solchen holistischen Datenumfeld kann die Finanzabteilung umfassende Erkenntnisse gewinnen und für weitere Entscheidungen nutzbar machen. Die gewonnenen Erkenntnisse müssen dabei immer häufiger und flexibler aufbereitet werden. Es ist daher zwingend notwendig, Prozesse zu automatisieren.
Ein möglicher Weg kann hierbei die Robotic Process Automation (RPA) darstellen, eine Softwarelösung, die menschliche Tätigkeiten in Prozessen nachahmt und somit manuelle Eingriffe reduziert, was zu erheblichen Zeit- und Kostenersparnissen führt.

Trotz steigender Frequenz und Flexibilität darf die Qualität des Zahlenmaterials, auch aus Compliance Erwägungen, nicht sinken. Dabei erweist sich die Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie, die mit sich selbst verbessernden Algorithmen Qualitätschecks durchführen und sowohl systematische Fehler als auch Inkonsistenzen aufzeigen kann.

Durch den „digitalen Umbau“ der Finanzabteilung ändert sich darüber hinaus das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter. Sie werden sich in Zukunft nicht mehr nur als Anwender verstehen dürfen, sondern viel stärker gestaltend tätig sein müssen.

Neuausrichtung der Softwareanbieter

Im Zuge dieser Veränderungen hat nicht nur die SAP ihr Portfolio stark angepasst, sondern auch andere große Anbieter wie zum Beispiel Oracle oder Microsoft haben signifikante Veränderungen vorgenommen. Die neuen ERP-Systeme werden zukünftig nur noch selten vom Kunden vor Ort betrieben („On-Premise“), sondern in einer Cloud bereitgestellt. Alternativ bieten sich hybride Ansätze an, bei denen Teile On-Premise gehalten und andere Funktionen in die Cloud verschoben werden. Dieser Umbruch wird großen Einfluss auf die CPM-Landschaft haben. Im einfachen Fall verändert sich nur der technische Unterbau, im weitaus realistischeren komplexeren Fall ändert sich das ganze Setup. Entsprechend der Neuausrichtung im ERP-Bereich müssen demnach auch strategische Überlegungen angestellt werden, wie das Corporate Performance Management zukünftig aufgestellt werden soll.

Dabei kristallisieren sich zwei grundsätzliche Lösungen heraus. Auf der einen Seite stehen die CPM-Module, die von den ERP-Anbietern selbst zur Verfügung gestellt werden. Hier sind insbesondere die Lösungen von SAP und Oracle zu nennen. Diese bieten eine direkte Integration zum eigenen ERP-System. Im Falle der neuen SAP-Lösung „SAP Group Reporting“ sind sogar die einzelnen Finanztransaktionen im ERP-System direkt die Basis für die Konsolidierung. Beide Lösungen können auch an andere Vor-(ERP)Systeme angeschlossen werden, bieten jedoch den größten Mehrwert, wenn das ERP-System aus dem gleichen Haus kommt.

Auf der anderen Seite stehen die Lösungen von Herstellern, die sich ausschließlich auf CPM-Lösungen spezialisiert haben. Von den deutschen Anbietern sind hier vor allem LucaNet und IDL zu nennen. Auf dem internationalen Markt konnten sich insbesondere Lösungen von OneStream und Tagetik etablieren. Diese Produkte kommen häufig bei den Unternehmen zum Einsatz, die nicht nur eine singuläre Datenbasis haben bzw. die nicht ein einheitliches ERP-System im Einsatz haben. Speziell bei Unternehmen mit umfangreichen M&A Aktivitäten gestaltet es sich oftmals schwierig, auf ein einheitliches ERP-System zu setzen.

Die meisten Lösungen sind heutzutage sowohl On-Premise als auch in der Cloud verfügbar. Es ist jedoch ein Trend erkennbar, dass neue Funktionalitäten zuerst in den Cloud-Lösungen verfügbar sind und erst zu einem späteren Zeitpunkt auch in den On- Premise Lösungen. Zunehmend stellen die Anbieter dabei auch innovative Automatisierungsfunktionalitäten zur Verfügung. Nachfolgend zwei Beispiele für Automatisierungslösungen im Finanzbereich:

  • Künstliche Intelligenz (KI): Bei Abweichungen der Ist- zu den Plan-Zahlen erkennt das System automatisch die Ursache und stellt dies in automatisiert erstellten Dashboards den Usern zur Verfügung.
  • Robotic Process Automation (RPA): Im Abschlussprozess können gewisse standardisierte Schritte automatisiert werden. So kann zum Beispiel eingestellt werden, dass automatisch gewisse Berichte an einen Adressatenkreis versandt werden, sobald eine Periode geschlossen ist.

Ein weiterer Trend ist die engere Verzahnung der einzelnen Abteilungen innerhalb der Finanzfunktion und somit die konsequente Verfolgung des „Single Source of Truth“ Ansatzes. Im finalen Ausbaustadium gibt es nur noch eine CPM-Plattform für sämtliche Aufgaben.

Auch die Möglichkeiten für das Berichtswesen werden um neue Varianten erweitert. So besitzen die CPM-Lösungen zusätzlich zu den bisherigen PDF Reports und Excel Add-Ins dynamische Dashboards und interaktive Reporting Oberflächen, die auch ein mobiles Reporting ermöglichen. Mit den neuen Darstellungsoptionen wird es möglich, konsolidierte steuerungsrelevante Kennzahlen in Echtzeit bereitzustellen, ohne sämtliche periodische Aktivitäten durchführen zu müssen.

Fazit: Aufbau einer digitalen und integrierten Finanzfunktion

Um für die kommenden Herausforderungen gewappnet zu sein und ebenso das Potential der Digitalisierung voll auszuschöpfen, sollten Unternehmen jetzt die Initiative ergreifen. Die Zukunft bietet dabei für die Finanzabteilung mehr Möglichkeiten, aber eben auch ein gesteigertes Maß an Komplexität. Vor allem zwei Punkte sind ausschlaggebend für den langfristigen Erfolg eines integrierten Corporate Performance Management Systems:

  • Frühzeitige Berücksichtigung beim Aufbau des neuen ERP-Systems: Oftmals wird das Thema CPM erst angegangen, wenn das neue ERP-System bereits im Einsatz ist. Dadurch steht man häufig vor dem Problem, dass Anforderungen aus dem CPM-Bereich gar nicht mehr oder nur mit erhöhtem Aufwand in das ERP-System integriert werden können.
  • Involvierung aller Stakeholder: Bei der Definition der Vision für den CPMBereich ist es wichtig, alle Stakeholder zu involvieren. Dadurch ist sichergestellt, dass die Anforderungen umfänglich aufgenommen und bei der Softwareauswahl berücksichtigt werden können.

Bei all diesen weitreichenden Veränderungen dürfen die Mitarbeiter nicht vergessen werden. Es gilt, sie rechtzeitig „auf die Reise mitzunehmen“ und ihr Skillset vor allem im technischen und prozessualen Bereich weiter auszubauen.

Autoren: Thomas Haugg, Valentin Eliasch,  Tim Steinmetzer

Ansprechpartner
 Thomas Haugg Director