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Boom & Bust, diesmal in China?!

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In meinem ersten Blogbeitrag dieses Jahres habe ich bereits auf den fulminanten, makroökonomischen Fehlstart in diesem Jahr hingewiesen. Schon damals ist der DAX von ca. 10.800 Punkten Ende 2014 auf knapp unter 10.000 Punkte zurückgegangen. Inzwischen sind wir vier Wochen weiter und der DAX ist aktuell bei knapp 9.000 Punkten. Zur Erinnerung: Wir waren in der Spitze Mitte 2015 bei über 12.000 Punkten, somit handelt es sich um einen Rückgang von mehr als 30%! Eine zweite Erinnerung: Anfang 2008 stand der DAX bei 8.000 Punkten und ist dann in sechs Monaten auf 6.400 Punkte gefallen (minus 20%), um dann Ende 2008/Anfang 2009 noch dramatischer einzubrechen.

Leider passend dazu die heutige Meldung von Bloomberg: Kyle Bass, der Hedge Fund Manager, der in der Subprime-Krise bereits erfolgreich auf die entsprechenden Ausfälle „gewettet“ hatte, sagt Verluste für das chinesische Bankensystem voraus, die das 4-fache (!) der Ausfälle der US Banken in der letzten Krise übersteigen könnten. Nach seinen Berechnungen würden Verluste von 10% der Aktiva bei den chinesischen Banken auf Grund von Kreditausfällen zur Reduzierung des Eigenkapitals der Banken um $ 3,5 Billionen (ja, auf Englisch  £ 3,5 trillion!) führen. Dies wiederum würde dazu führen, dass der chinesische Staat mehr als $ 10 Billionen benötigen würde, um die Banken zu rekapitalisieren – einhergehend mit einer Abwertung des chinesischen Yuan um 30%. Hintergrund ist insbesondere auch das Schattenbankensystem mit teilweise fraudulenten, teilweise legalen Kreditvergaben außerhalb des normalen Bankensystems wie beispielsweise Garantien an Nicht-Banken, die bisher nicht in den Bankbilanzen erfasst sind. Alles schon mal dagewesen…

Warum sollte uns das nun interessieren? Ist doch nur die Börse? Ist doch nur China? Das „nur“ ist dabei allerdings das Problem. Die Börse nimmt zukünftige Erwartungen vorweg. Stellt sich also die Frage: Welche? Vielleicht hängt an China und dem chinesischen Bankensystem doch mehr als man denkt. Betrachtet man zudem die Zyklen der letzten wirtschaftlichen Rückgänge (Ölpreisschock 1975, Irakkrise 1982, Ende des Wiedervereinigungsbooms 1993, Platzen der Internetblase 2003, Subprime-Krise 2009), könnte es so langsam Zeit werden für eine Rezession. Eigentlich auch nicht schlecht. So ein bisschen mehr Realitätssinn in allen Köpfen und eine gewisse Erdung sollen ja heutzutage bekanntlich nicht schaden.

Und jetzt? Kopf in den Sand stecken? Kaninchen vor der Schlange-Prinzip? Nein, das gilt nicht. Vorwärts immer, rückwärts nimmer? Nun das ging ja schon mal, kurz danach, schief (Zitatquelle: Festansprache zum 40. Jahrestag der DDR, 7. Oktober 1989). Nachhaltiges, zukunftsorientiertes Handeln ist die Devise und eine Reduzierung der Risikoneigung ist angezeigt.

In diesem Sinne, blicken Sie positiv nach vorne, aber behalten Sie die Risiken im Blick!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber