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Aufsichtsrecht

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Die aufsichtsrechtliche Behandlung von Zinsrisiken im Bankbuch soll sich basierend auf den Vorgaben des BCBS sowie der EBA grundlegend ändern. Im April 2016 veröffentlichte das Basel Committee hierzu ihren Standard „Interest rate risk in the banking book (IRRBB)“, welcher die Regelung aus dem Jahr 2004 ersetzt. Die EBA veröffentlichte ihrerseits bereits im Mai 2015 einen Entwurf für Leitlinien zur Behandlung der Zinsrisiken im Bankbuch. Ende Oktober 2017 wurde erneut ein Entwurf veröffentlicht, welcher die finalen Vorgaben des Baseler Papiers aufgreift. Die Umsetzung der EBA Leitlinie ist bis Ende 2018 vorgesehen, wobei die Kommentierung des aktuell vorliegenden Entwurfs noch bis Ende Januar möglich ist.

Die Steuerung von Zinsrisiken im Bankbuch, welche der Säule 2 des Baseler 3-Säulen-Modells zugewiesen sind, nimmt sowohl bei der Aufsicht, als auch bei den Instituten selbst einen zunehmend höheren Stellenwert ein. Die Leitlinie der EBA ist entsprechend auch im Kontext der angepassten Vorgaben zum Stresstesting sowie dem SREP zu sehen, welche zeitgleich mit der IRRBB Leitlinie veröffentlicht wurden und die Säule 2 insgesamt stärken.

Zur Ermittlung der Zinsrisiken im Bankbuch werden zwei Ansätze gefordert, welche zukünftig parallel voneinander anzuwenden sind. Zum einen sind in einem barwertigen Ansatz, Effekte aus der Veränderung des Zinsniveaus auf den Barwert zinssensitiver Instrumente zu messen. Anhand dieses Ansatzes werden Effekte auf den ökonomischen Wert des Bankbuchs über die Restlaufzeit der Geschäfte gemessen. Die Berechnung erfolgt auf Basis einer „Run off“-Annahme, d. h. eine Modellierung von Anschlussgeschäften oder Prolongationen erfolgt nicht.

Im periodischen Ansatz werden dagegen Effekte aus der Veränderung des Zinsniveaus auf die (Zins-)Ergebnisse der folgenden drei Geschäftsjahre gemessen. Je nach Komplexität des Instituts erfolgt die Berechnung dieser Effekte dabei unter der Annahme einer konstanten Bilanzsumme oder aber unter Berücksichtigung der Geschäftsstrategie und Neugeschäftsplanung mit einer dynamischen Entwicklung der Bilanzsumme, bei der ggf. auch makroökonomische Faktoren berücksichtigt werden.

Die Kombination beider Ansätze führt dazu, dass sowohl Solvenzrisiken aus negativen Zahlungsströmen in einem mittel- und langfristigen Zeitraum (barwertiger Ansatz), als auch kurzfristige Ertragsrisiken aus negativen Zahlungsströmen in den kommenden Perioden (periodischer Ansatz) ersichtlich werden.

Beide Ansätze sind zukünftig — mindestens quartalsweise — in einer Reihe von Zins-Stress bzw. Schock-Szenarien zu betrachten, wobei die EBA sowie das BCBS sechs Szenarien selbst definiert haben. Neben dem bereits aus der CRD bekannten Grenzwert von 20% der Eigenmittel, ab dem ein Institut bei einem Parallelschock von +/- 200 Basispunkten als Ausreißer zählt, wurde nun zusätzlich ein weiterer Grenzwert eingeführt. Gemäß diesem zweiten Grenzwert gilt ein Institut als Ausreißer, sobald das Kernkapital in einem der sechs fest definierten Zinsszenarien um 15% sinkt. Dieser zweite Grenzwert soll dabei als „Frühwarnung“ dienen und zu einem rechtzeitigen Dialog mit der Aufsicht führen.

Bei der Umsetzung des barwertigen Ansatzes kann in den meisten Fällen auf bereits bestehende Systeme zurückgegriffen werden, da Barwerte unter anderem auch im Rahmen der Bilanzierung Verwendung finden. So ist bspw. für die Angabe der Stillen Lasten/Reserven nach IFRS 7.25 bereits die Berechnung von Barwerten auch für nicht zum Fair Value bilanzierte Finanzinstrumente notwendig. Nach HGB werden Barwerte für die Bestimmung der Drohverlustrückstellung für Zinsrisiken im Bankbuch (Verlustfreie Bewertung des Bankbuchs nach BFA 3) genutzt. Auch wenn in beiden Fällen keine Simulation der Fair Values in unterschiedlichen Zinsszenarien notwendig ist, wie dies nun von der EBA und dem BCBS gefordert wird, kann meist auf die grundsätzliche Methodik aufgebaut werden.

Die Umsetzung des periodischen Ansatzes stellt Institute dagegen nach unseren Erfahrungen vor größere Herausforderungen, wobei hierbei gleichzeitig auch die Chance besteht, aus der Erfüllung der regulatorischen Vorgabe einen Nutzen für die Planung und das betriebswirtschaftliche Controlling ziehen zu können. Eine wesentliche Hürde bei der Umsetzung liegt darin, sowohl den Ablauf des Bestandsgeschäfts, als auch die Planung der Neugeschäftsentwicklung zinssensitiv und somit für jedes betrachtete Szenario spezifisch zu modellieren. So sind bspw. Annahmen über die Wahrscheinlichkeit der Ausübung gesetzlicher oder vertraglicher Kündigungsrechte, in Abhängigkeit des Zinsniveaus zu definieren und technisch zu implementieren. 

Institute sollten sich frühzeitig und intensiv mit den geänderten Anforderungen auseinandersetzen und mit der Implementierung starten. Insbesondere da das Jahr 2018 unter anderem mit der Erstanwendung von IFRS 9, dem EBA Stresstest oder der Implementierung von IFRS 16 bereits eine Reihe von Herausforderungen mit sich bringt, die parallel die Ressourcen in den Bereichen Accounting, Meldewesen, Controlling und Reporting beanspruchen.