Kontakt

Anreize zur digitalen Transformation von Unternehmen: BMF lässt steuerlichen Sofortabzug für ERP-Systeme zu

News -

Die Corona-Pandemie ist zwar nicht der Auslöser, letztlich jedoch der Katalysator dafür, dass technologische Weiterentwicklung derzeit ganz oben auf der Prioritätenliste vieler Unternehmen steht. Diese Entwicklung will das Bundesministerium der Finanzen (BMF) nun auch steuerlich fördern (BMF-Schreiben vom 26.02.2021, Az. IV C 3 ? S 2190/21/10002 :013, Abruf-Nr. 220811): Nach knapp 20 Jahren ohne Veränderung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer „digitaler“ Wirtschaftsgüter ist ab sofort im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2020 enden, sogar ein steuerlicher Sofortabzug möglich. Auch Restbuchwerte können sofort abgeschrieben werden. Betroffen sind hiervon lt. BMF-Schreiben „Betriebs- und Anwendersoftware zur Dateneingabe und -verarbeitung“, hierunter fallen nach Maßgabe des BMF auch auf „den individuellen Nutzer abgestimmte Anwendungen wie ERP-Software, Software für Warenwirtschaftssysteme oder sonstige Anwendungssoftware zur Unternehmensverwaltung oder Prozesssteuerung“. Die Eröffnung der Möglichkeit, die Aufwendungen – beispielsweise für die Einführung eines neuen ERP-Systems – in voller Höhe als Betriebsausgabe zu erfassen, gelingt durch das steuerliche Wahlrecht, da die Liste der vom BMF definierten Betriebs- und Anwendungssoftware, im Gegensatz zur Aufzählung von steuerlich zu berücksichtigender Hardware, gerade nicht abschließend ist.

Die bisher anzuwendende Abschreibung von Software über drei Jahre bzw. bei individueller betriebswirtschaftlicher Software über fünf Jahre kann nach dem BMF-Schreiben auf ein Jahr verkürzt werden. Im Ergebnis ist das ein steuerliches Wahlrecht zur Sofortabschreibung, welche sich steuermindernd als Aufwand in der Steuerbilanz darstellt. Leider gilt dies nur für sog. on-premise-Lösungen, bei denen einmalig Lizenzen erworben werden und nicht für moderne Cloud-Systeme, die als Software-as-a-Service (SaaS) lediglich gemietet werden. Vor dem Hintergrund des anstehenden Wartungsendes vieler Alt-ERP-Systeme (wie SAP R/3 oder Axapta und Navision) und CPM-Systeme (wie HFM) oder des allgemeinen Nachholbedarfs bei der Digitalisierung administrativer Prozesse in vielen Unternehmen sowie der notwendigen Umstellung auf neue Geschäftsmodelle, schafft die zusätzliche steuerliche Förderung durch das BMF-Schreiben einen interessanten Anreiz, die Transformation der IT-Infrastruktur und veralteter Finanzsysteme nachhaltig voranzutreiben.

Unseres Erachtens ist es jedoch mit einer rein technischen Implementierung von Finanzsystemen nicht getan, vielmehr müssen für eine zielgerichtete Nutzensteigerung die End-to-End Unternehmensprozesse hinterfragt bzw. bei Bedarf optimiert und neu aufgesetzt werden, um mit dem neuen System einen echten Mehrwert zu generieren. Dies sichert auch künftig ein hohes Maß an Effizienz, Effektivität und Flexibilität für neue, zukunftsfähige Geschäftsmodelle einerseits und einen echten Wettbewerbsvorteil andererseits. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist zudem eine merkliche Steigerung der User Experience, gerade in Zeiten von New Work und der zunehmenden Remote Working Culture. Da nach dem Wortlaut des BMF-Schreibens auf „den individuellen Nutzer abgestimmte Anwendungen…“ unter den Begriff der Software fallen, ist denkbar, auch das individuelle Setup (sog. Customizing) von Finanzsystemen hierunter zu subsumieren.

Für kleine und mittelständische Unternehmen (Voraussetzungen siehe: Förderungsvoraussetzungen) eröffnet sich darüber hinaus ein weiterer Anreiz, die digitale Transformation voranzutreiben. Durch das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) initiierte Förderprogramm go-digital, in Zusammenarbeit mit dafür zertifizierten Beratungsunternehmen, wie bspw. der FAS AG, wird u. a. die Optimierung von Geschäftsprozessen durch Digitalisierung finanziell gefördert. So entsteht ein echter finanzieller Vorteil – denn es können bis zu 11.000 Euro an Beratungsleistungen durch das Förderprogramm übernommen werden (weitere Details siehe: go-digital).

Die steuerliche Incentivierung durch das BMF-Schreiben, idealerweise in Kombination mit einer Förderung im Rahmen von go-digital, sind jedoch nicht ganz ohne bilanzielle Nebengeräusche zu genießen. Üblicherweise werden in der deutschen Handels- und Steuerbilanz einheitliche Nutzungsdauern angesetzt. Diese sog. Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz ist jedoch eingeschränkt, d. h. man ist bei der Erstellung der Steuerbilanz nicht zwingend an Ansätze und Bewertung der Handelsbilanz gebunden. Da sich an der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer „digitaler“ Wirtschaftsgüter nichts geändert hat, bleibt die Abschreibungsdauer in der Handelsbilanz unverändert (siehe oben: drei bzw. fünf Jahre). Durch eine Inanspruchnahme der neuen, steuerlichen Sofortabschreibung gem. BMF-Schreiben kommt es aber zu einem Auseinanderfallen von Handels- und Steuerbilanzansätzen. Für eine Bilanzierung sowohl nach HGB als auch nach IFRS führt diese (temporäre) Bewertungsdifferenz gegenüber der Steuerbilanz zur Entstehung bzw. Bildung von passiven latenten Steuern.

Die neuen Regelungen seitens des BMF sind das richtige Signal, auch wenn sie schon längst überfällig waren, um die Digitalisierung zur Chefsache in Unternehmen und ganz Deutschland zu machen. Die Maßnahmen schaffen die gewünschten Anreize, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, die digitale Transformation der Unternehmen zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

Passend hierzu fügt sich unser Beratungsansatz ideal ein, denn durch die gesamtheitliche Betrachtung ist die FAS AG der ideale Partner zur Umsetzung dieser digitalen Transformation, beginnend bei der Analyse und Optimierung von End-to-End Finanzprozessen, über die fachliche Begleitung bei der Einführung von Finanzsystemen, bis hin zur Unterstützung hinsichtlich der bilanziellen Auswirkungen. Zudem unterstützen wir als akkreditierter Berater im Rahmen des go-digital-Förderprogramms bei der finanziell geförderten Digitalisierungsberatung.

Autoren: Stefan Eckhardt & Jürgen Diehm

Ansprechpartner
 Jürgen Diehm Partner