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Hedge Accounting – Ausblick und aktuelle Handlungsoptionen

Financial Services -

Das IASB hat mit der Möglichkeit die IAS 39 Regeln zum Hedge Accounting bis auf weiteres (bzw. bis zur Lösung der Dynamischen Hedgings) weiter anzuwenden einen ungewöhnlichen Weg bestritten, der – zumindest was den zeitlichen Rahmen betrifft – sicher ursprünglich nicht so geplant war. Die Masse der Banken in Deutschland aber auch international hat sich bei der Erstanwendung für eine Weiterführung des IAS 39 Ansatzes entschieden. Die Frage ist jedoch für viele, wie und wann geht es weiter? Entscheidend ist eine Reihe von Fragen:

  • Ob und wann wird es einen Standard zum Dynamic Risk Management und damit eine verpflichtenden Anwendung des IFRS 9 Hedge Accounting  geben? 
  • Wie sieht das Szenario aus, wenn es keinen Standard geben sollte?
  • Welche Vorteile bringt eine Anwendung der bestehenden IFRS 9 Regelungen gegenüber dem Implementierungsaufwand bzw. wieviel Energie lohnt es sich noch in die Optimierung der bestehenden Prozesse und Methoden zu stecken?

Aktueller Stand Dynamic Risk Management Projekt

Nachdem gemäß Aussagen aus dem Umfeld des IASB zwischenzeitlich ein Abbruch des Projekts ernsthaft in Erwägung gezogen wurde, ist es derzeit ziemlich sicher, dass im Laufe des zweiten Halbjahrs 2019 ein neues Diskussionspapier zum Dynamic Risk Management veröffentlicht wird, in dem ein neues Grundmodell vorgestellt wird.
Selbst wenn dies positiv aufgenommen würde und die darauf folgende Standardentwicklung zügig und ohne Verzögerungen von statten ginge, erscheint eine verpflichtende Erstanwendung vor dem 01. Januar 2024 als unrealistisch.

Auf Basis der Veröffentlichungen aus den Board-Meetings wissen wir bereits, dass…

  • …das neue Modell sich auf das Thema Zinsrisikomanagement fokussieren wird und hier die Steuerung eines Zielmodells bzw. des Nettozinsertrags im Vordergrund stehen wird.
  • …neben der bilanziellen Abbildung die Transparenz über die Risikomanagementpraktiken ein wesentliches Gewicht bekommen wird (wobei eine reine Darstellung im Anhang wohl keine Lösungsalternative mehr ist).
  • …die bilanzielle Abbildung sich am Cash Flow Hedge orientieren soll – d. h. Wertänderungen der Derivate im OCI gespeichert werden und später in die Gewinn- und Verlustrechnung recycled werden.
  • …es zulässig sein soll auch zukünftige Geschäfte eines Portfolios in eine Sicherungsbeziehung mit einzubeziehen (der im ersten Diskussionspapier verwendete Begriff vom offenen Portfolio fällt jedoch nicht mehr).
  • …Bodensatzprodukte bei der Definition des Zielmodells berücksichtigt werden.
  • …weiterhin nur externe Derivate sich für eine Designation im Rahmen des DRM qualifizieren.
  • …ein prospektiver Effektivitätstest erforderlich sein wird aber analog zum bestehende IFRS 9 keine harten Grenzen gesetzt werden.

Abbruch des Projekts

Auch wenn derzeit mit viel Energie an dem Projekt DRM gearbeitet wird und nur das Thema IBOR vorpriorisiert wurde, ist grundsätzlich ein Abbruch des Projekts auf Basis der Kommentierungen des kommenden Diskussionspapiers immer noch möglich.

Auch in diesem Fall wären jedoch noch die Vorschriften des IAS 39 zum Portfolio Fair Value Hedge in den IFRS 9 zu übernehmen und zumindest soweit redaktionell anzupassen, dass sie in Übereinstimmung mit den sonstigen Regeln des General Hedge Accountings stünden. Unter Beachtung der formellen Prozesse wäre auch in diesem Fall eine verpflichtende Erstanwendung der IFRS 9 Vorschriften nicht vor dem 01. Januar 2023 zu erwarten.

Umstellung auf IFRS 9 vs. Optimierung IAS 39

Für die Übergangsfrist stellt sich somit die Frage, welche Strategie die Banken bis zur verpflichtenden Anwendung der IFRS 9 Hedge Accounting Vorschriften fahren. Eine pauschale Antwort hierauf ist im Zweifel nur schwer zu geben und hängt auch immer von den individuellen Umständen der Bank ab. In der Praxis ist der Wegfall der Effektivitätsgrenzen zwar durchweg zu begrüßen, treibend für die Anwendung des IFRS war für die wenigen Anwender jedoch in der Regel die Möglichkeit mittels des Cost-of-Hedging-Ansatzes Volatilität aus Fremdwährungs-Basis-Spreads zu reduzieren bzw. zu eliminieren. Institute, die hier eine hohe Volatilität aufweisen, und vor allem aus zeitlichen Gründen von einer Umsetzung des IFRS Hedge Accountings abgesehen haben, sind tendenziell Kandidaten für eine Umstellung auf IFRS 9 Hedge Accounting vor einer verpflichtenden Entscheidung.Weiterhin gibt es auch aktuell noch Institute, die den Portfolio Fair Value Hedge nicht nur optimieren, sondern erstmalig neu einführen. Umgekehrt ist jedoch auch davon auszugehen, dass

eine nicht unwesentliche Zahl von Instituten zumindest bis zur Auswertung der Kommentierungen des kommenden Diskussionspapiers den Fokus auf der aufwandsarmen Bestandspflege legen werden und erst danach ihre Strategie zum Umgang mit dem Thema Hedge Accounting neu festlegen werden.

Sowohl bei der Einführung von IFRS 9 Hedge Accounting als auch bei der Optimierung des Hedge Accountings unter IAS 39 und der Anlyse der Handlungsmöglichkeiten und Definition einer Hedge Accounting Strategie unterstützen Sie die Experten der FAS AG  gerne.