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Praxisreihe: Asset Protection für Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte

ARadar -

In diesem ARadar möchten wir unsere aktuelle Praxisreihe zum Thema „Asset Protection“ fortsetzen. Dabei ist zu erwähnen, dass Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte noch eine geraume Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Gremium beachtlichen Haftungsrisiken ausgesetzt sein können. Aus diesem Grund haben wir uns in unseren vorherigen Newslettern damit beschäftigt, welche Maßnahmen Aufsichtsräte während ihrer Amtszeit treffen können, um eine bestmögliche Absicherung zu erreichen. 

Aus diesem Grund möchten wir uns nachfolgend näher mit dem Baustein der D&O-Versicherung auseinandersetzen und Ihnen die Grundlagen dieser erläutern.

Grundlagen der D&O-Versicherung

„D&O“ ist die Abkürzung für „Directors and Officers“ unter welchen man üblicherweise die Unternehmensleitung von anglo-amerikanischen Kapitalgesellschaften versteht. Mittlerweile hat sich dieses Kürzel jedoch international als Synonym für die Absicherung der Haftungsrisiken von Organmitgliedern etabliert.

Eine solche Absicherung erscheint als notwendig, wenn man beachtet, dass die Gremienmitglieder grundsätzlich gesamtschuldnerisch mit ihrem gesamten Privatvermögen haften, falls sie die gebotene Sorgfaltspflicht nicht eingehalten haben und dem Unternehmen hieraus ein Schaden entstanden ist. Die Beweislast für eine sorgfaltsgetreue Aufsichtsratsarbeit obliegt dabei den Mitgliedern des Überwachungsorgans. 

Eine D&O-Versicherung ist somit eine Art „Berufshaftpflichtversicherung“ für Organmitglieder, welche diese vor möglichen Folgen für ihr Privatvermögen schützen soll.

Doch wer ist Versicherungsnehmer und trägt die Prämie?

Versicherungsnehmer und Prämienschuldner der D&O-Versicherung ist meist das Unternehmen in dessen Gremium das betreffende Aufsichtsratsmitglied tätig ist. 

Die versicherte Person ist in diesem Falle jedoch das Aufsichtsratsmitglied.

Kommt es nun zu einem Schadensfall, so übernimmt die D&O-Versicherung, bis auf den vereinbarten Selbstbehalt, die entsprechende Schadenssumme. 

Welche Grenzen hat eine D&O-Versicherung?

Bei einer D&O-Versicherung kann nicht jede erdenkliche Schadenssumme und jedes etwaige Fehlverhalten der Organmitglieder abgesichert werden.

Aus diesem Grund muss unter anderem ein angemessener Selbstbehalt der Gremienmitglieder vereinbart werden (für Vorstandsmitglieder gesetzlich geregelt) und es kann keine Versicherung abgeschlossen werden, welche im Falle von Vorsatz greift und das Gremienmitglied vor dessen Haftung schützt.

Bei Abschluss einer D&O-Versicherung sind folglich die im Vertragswerk geregelten Ausschlusstatbestände zu beachten, da diese noch weitreichendere Einschränkungen des Versicherungsschutzes vorsehen können.

Grundtypen der Absicherung

Bei der Absicherung der Organmitglieder sind vier relevante Grundtypen zu unterscheiden.

Dabei ist zunächst die Standardpolice zu nennen. Bei dieser sind sowohl der Aufsichtsrat, wie auch die Geschäftsleitung gemeinsam versichert. 

Problematisch bei dieser Grundkonstruktion ist jedoch, dass diese zu Interessenskonflikten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat führen kann. Diese können entstehen, wenn es zu Differenzen zwischen dem Leitungs- und dem Überwachungsorgan innerhalb des Unternehmens kommt – da die Geschäftsleitung in der Regel einen Wissens- und Zeitvorsprung vor dem Aufsichtsrat hat und sich die Deckungssumme auf beide Gremien erstreckt.

Wie kann man sich vor einem solchen Interessenskonflikt schützen bzw. diesen mildern? 

Um solch einen Interessenskonflikt zu vermeiden empfiehlt sich zum Beispiel der sogenannte „Two-Tier-Trigger-Ansatz“. Im Unterschied zu dem eben genannten Ansatz ist zu erwähnen, dass dem Aufsichtsrat in dieser Grundkonstruktion als gesamtes Gremium eine eigene, vom Vorstand getrennte, Deckungssumme zusteht. Dieser Ansatz wird bei dem „Twin-Tower-Ansatz“ dadurch erweitert, dass Aufsichtsrat und Geschäftsleitung bei unterschiedlichen Gesellschaften eine Versicherung abschließen.

Für Aufsichtsräte, die gleichzeitig mehrere Mandate inne haben, kann es auch eine passende Möglichkeit sein, eine individuelle, an den persönlichen Bedingungen des Gremienmitgliedes angepasste Versicherung abzuschließen. 

Welche Fragen sollte sich der Aufsichtsrat beispielsweise stellen?

  • Ist das Bedingungswerk transparent und verständlich?
  • Gibt es keine versteckten Ausschlüsse?
  • Ist die Deckungssumme ausreichend?
  • Besteht auch weiterhin ein Versicherungsschutz, wenn der Eigentümer des Unternehmens wechselt?

Unser Service

Wir begleiten Aufsichtsratsgremien seit vielen Jahren bei diesen Fragestellungen und arbeiten gemeinsam mit Ihnen zum Beispiel an nachfolgenden Aspekten:

  •  Bewertung Ihrer persönlichen Absicherung und der Ihres Gremiums
  • Identifizieren von verdecken Ausschlüssen 
  • Schulungen für Ihr Gremium zu allen relevanten Themengebieten
  • Prüfung Ihrer Policen und Ableitung potentieller Empfehlungen

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Kompetenzbereich „Board Advisory Services“ oder im Rahmen eines persönlichen Gesprächs.